Die Sprache der Mediationsschulen
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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.
Die Terminologische Zuordnung
Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.
Die Examensdatenbank wird ständig erweitert. Sie können helfen. Sollten Sie einen Begriff vermissen oder anders definieren, geben Sie bitte einen Hinweis, wenn Sie die Änderung nicht selbst einbringen.
| Bezeichnung | Beschreibung |
|---|---|
| Finalbewertung | Mit dem Begriff Finalbewertung wird die abschließende Lösungsbewertung bezeichnet. Sie ist die finale Bewertung der gefundenen Lösung. Sie schließt die Lösungsalternative der WATNA-BATNA-Instanz mit ein und prüft, ob die nunmehr angedachte Lösung den Kriterien entspricht, die in der Phase drei erarbeitet wurden und ob die Lösung auich die Kriterien der Sicherheit und Nachhaltigkeit entspricht, die in der Phase 5 erarbeitet werden. |
| Nachbewertung | Bewertung der gefundenen Lösung nach Einbeziehung der in einem separaten Schritt ermittelten Lösungsalternativen (WATNA-BATNA-Instanz). Es geht um die Gegenüberstellung zur gefundenen Lösung der Mediation und um die Prüfung, ob die Lösungsalternativen ebenfalls den Kriterien entspricht, die in der Phase drei erarbeitet wurden. |
| Phasendifferenzrecherche | Mit Hilfe der Phasendifferenzrecherche wird ermittelt., welche Erkenntnisschritte der Mediation in anderen Verfahren vorkommen und gegebenenfalls nachzubilden sind. Die Erkenntnisschritte werden vereinfacht dargestellt in den Phasen abgebildet. Mithin prüft die Differenzrecherche, welche Phasen in anderen Verfahren vorkommen oder nicht und welche Phasen in der Mediation abgearbeitet wurden oder nicht. |
| Lösungskanal ermitteln | Der Lösungskanal bildet die Summe an brauchbaren Lösungsvorschlägen, mit denen die Parteien grundsätzlich einverstanden sind. Die brauchbaren Vorschläge lassen sich aus der Summe an Vorschlägen herausfiltern, indem die Parteien ihre Vorschläge bewerten. Alle Vorschläge, die von beiden Seiten als zufriedenstellend bewertet wurden (wenn Sie das Schulnotensystem verwenden), kommen in Betracht. Die Summe der als so bewerteten Vorschläge bildet jetzt den Kanal von Vorschlägen, auf die sich der Mediator bzw. die Parteien konzentrieren, um die konkrete Lösung zu erarbeiten. |
| Optionenbewertung | Werkzeug (Techniken) zur Bewertung der gefundenen (vorgechlagenen) Optionen in der Phase vier. Die Bewertung der Optionen ist von der Lösungsbewertung zu unterscheiden. |
| Abwerbung | Eine Gefahr im Helfersystem besteht darin, dass Mitbewerber Mediationsinteressenten und sogar Parteien abwerben. Die Gefahr ist in der WATNA-BATNA-Instanz gegeben aber auch bei der Nachfrage nach Mediation. |
| Lösungsalternative | Die Suche nach Lösungsalternativen wird in der WATNA-BATNA-Instanz vorgegeben. Dabei geht es um die Drage, ob eventuell auf einem anderen Weg für die eine oder andere Partei ein besseres Ergebnis (nicht unbedingt eine bessere Lösung) herbeigeführt werden kann. |
| Lösungskontrolle | Die Lösungskontrolle ist von der Suche nach Lösungsalternativen zu unterscheiden, auch wenn beides zumindest teilweise in der WATNA-BATNA-Instanz zusammenfällt. Die Lösungskontrolle geht allerdings über Rechtsfragen hinaus und erfasst auch die Nachhaltigkeit, Umsetzbarkeit usw. |
| Sterbehilfe | Die Sterbehilfe ist von der Sterbebegleitung zu unterscheiden. Letzteres ist Hilfe beim Sterben, ersteres Hilfe zum Sterben. Eine aktive Sterbehilfe ist verboten. Eine passive Sterbehilfe entspricht dem Sterbenlassen, das auch juristisch gerechtfertigt sein kann. |
| Hospizmediation | Die Hospizarbeit verfolgt das Ziel, sterbenden Menschen ein würdiges und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende zu ermöglichen. Die Hospizmediation betrifft den Umgang mit Streitigkeiten und Konflikten, die in diesem Zusammenhang auftreten. Das können Konflikte mit dem Pflegepersonal, den Kostenträgern und den Angehörigen sein. Die Mediation in diesem Bereich mus sich auf besondere Fallgestaltungen einlassen, was ein spezifisches Hintergrundwissen erfordert. |
| Sterbebegleitung | Die Sterbebegleitung verfolgt das Ziel, sterbenden Menschen ein würdiges und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende zu ermöglichen. Sie ist von der Sterbehilfe zu unterscheiden. |
| Barwertformel | Die Barwertformel wird verwendet, um zukünftige Zahlungen oder Einnahmen in einen aktuellen Geldwert umzurechnen. Dies ist besonders nützlich, um verschiedene Arten von Zahlungen, wie Renten, Unterhaltszahlungen oder Kapital, in eine einheitliche Kapitalgröße umzurechnen. |
| Vergeltung | Im ursprünglichen Sinn war die Vergeltung die Entlohnung für eine Tat. Inzwischen wird der Begriff eher negativ konnotiert und kommt der Rache sehr nah. Die Vergeltung ist eine Reaktion auf eine als ungerechtfertigt empfundene Verletzung die darauf abzielt, Gerechtigkeit herzustellen. |
| Verschwiegenheitsverpflichtung | §4 Mediationsgesetz legt Mediatoren eine Verschwiegenheitspflicht auf, nicht jedoch den Parteien. Wenn sie zur Verschwiegenheit verpflichtet werden sollen, bedarf es einer Vereinbarung, die als Verschwiegenheitsverpflichtung oder als Vertraulichkeitsabrede bezeichnet wird. Die Verschwiegenheitsverpflichtung enthält einen Beweismittelverzicht. |
| Verschwiegenheitspflicht | §4 Mediationsgesetz legt Mediatoren eine Verschwiegenheitspflicht auf. Diese Pflicht bezieht sich auf alles, was ihnen in Ausübung ihrer Tätigkeit bekannt geworden ist. Die Parteien sind von dieser Pflicht nicht betroffen. Wenn sie zur Verschwiegenheit verpflichtet werden sollen, bedarf es einer Vereinbarung. |
| 7 Reiter der Mediation | Das ist eine Zusammenstellung (und Auswahl) der 7 wichtigsten Prinzipien, aus denen sich alle anderen Prinzipien herleiten lassen. Angesprochen werden die Freiwilligkeit, die Eigenverantwortlichkeit, die Offenheit, die Vertraulichkeit, die Informiertheit, die Indetermination und die Neutralität. |
| Werte | Werte sind bewusste oder unbewusste Leitvorstellungen und Orientierungsmuster des Handelns von Individuen oder Gruppen. |
| Wertetoleranz | Der Begriff wird im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Wertekonflikten benutzt. Er beschreibt den Gradunterschied der Verbindlichkeit von Werten. |
| Werkzeughierarchie | Die Werkzeuge der Mediation im weiten Sinn werden als Bausteine der Mediation hierarchisch angeordnet. Die hierarchische Einteilung erlaubt eine Gliederung in Ordnungen. Die Ordnungen determinieren die Gewichtung der Werkzeuge. |
| Struktur | Der Begriff Struktur wird von dem lateinischen Wort structura hergeleitet und bedeutet so viel wie Zusammenfügung und Ordnung. Ordnung bezeichnet in diesem Verständnis die Anordnung der Teile eines Ganzen zueinander, womit der gegliederte Aufbau und die innere Gliederung der Mediation angesprochen werden. |
| Informationsverarbeitung | Der Vorgang, wie Informationen in den verschiedenen Verfahren verarbeitet werden determiniert den Erkenntnisgewinn. |
| Informationsverarbeitungstheorie | Die Informationsverarbeitungstheorie beschreibt die psychologische Sicht auf die Informationsverarbeitung. Sie ist ein Prozess, der aus mehreren Schritten besteht, einschließlich der Aufnahme von Informationen aus der Umgebung, der Verarbeitung dieser Informationen im Gehirn und der anschließenden Reaktion darauf. |
| Großgruppenmediation | Mediation in großen Gruppen. |
| Figur-Hintergrund-Bildung | Die Figur-Hintergrund-Bildung ist ein Konzept zur Wiederherstellung der Homöostase. Es geht davon aus, dass sich ein Bedürfnis aus dem Hintergrund in einem Symptom konfiguriert, das den Weg zum Gleichgewicht aufzeigt. |
| Systematik der Mediation | Systematische Erfassung und Klassifizierung der unterschiedlichen Erscheinungsformen der Mediation. |
| Puzzle-Effekt | Der Puzzle-Effekt beschreibt das Phänomen, dass die Parteien plötzlich selbst eine Lösung finden, obwohl noch nicht alle Fragen geklärt sind. |
| Diversifikation | Diversifikation bedeutet allgemein Veränderung, Abwechslung, Vielfalt. In der Wirtschaft steht der Begriff für die Ausweitung der Produktion oder des Sortiments auf neue Produkte. Der Gesetzgeber wollte mit der Einführung des Mediationsgesetzes Diversifikation und Wildwuchs der Konfliktbeilegungsverfahren erreichen. |
| Ausbildungsqualität | Die Qualität der Mediationsausbildung betrifft die Messbarkeit und Effizienz der zur optimalen Durchführungskompetenz führenden Mediationsausbildung. Die Ausbildungsqualität wird von der Ausführungsqualität unterschieden. |
| Didaktik | Didaktik ist ein Begriff aus dem Bildungsbereich, der sich mit der Lehre und dem Lernen befasst. Er bezeichnet die Wissenschaft und Kunst des Unterrichtens sowie die Methoden und Strategien, die Lehrkräfte anwenden, um Lerninhalte zu vermitteln und Lernprozesse zu unterstützen. Die Didaktik betrifft die Frage was wozu gelernt werden soll. Die Methodik betrifft die Frage wie es gelernt werden soll. |
| Verfahrenslandschaft | Der Begriff meint das Vorkommen der Verfahren zur Streitbeilegung, ihre Erkennbarkeit, ihr Zusammenspiel und ihre Verwendung in der Praxis. Wir begegnen einem äußerst amorph und unübersichtlich gestalteten Gefilde, das einer systematischen Aufarbeitung bedarf, damit sich die Verfahren gegeneinander abgrenzen können und sich nicht gegenseitig im Wege stehen. |
| Elternentfremdungssymptom | Deutsches Wort für Parentel Alienation Syndrom. Siehe PAS |
| Autonomisierung | Der Begriff Autonomisierung kommt aus der Regelungstechnik. Er beschreibt aber auch genau, worum es bei der Trennung geht. In der Regelungstechnik ist die Autonomisierung ein Verfahren, durch das eine gegenseitige Beeinflussung (der Regelkreise) beseitigt werden soll. In der Trennung wird damit die Wiederherstellung der Selbstbestimmung (der individuellen Vollständigkeit) beschrieben. |
| Autonomiephase | Autonomiephase ist der Fachbegriff für die Trotzphase oder das Trotzalter, also dem Teil der kindlichen Entwicklung, in dem das Kind Selbstbestimmung lernt und erfährt. Während der Begriff Trotzphase zum autoritären Eingreifen inspiriert, erlaubt der Bergriff Autonomiephase erher eine Unterstützung in der Entwicklung des Kindes. |
| Reaktanz | Psychologische Reaktanz entsteht, wenn die eigene Entscheidungsfreiheit bedroht oder eingeschränkt wird. Es ist der Versuch, diese Freiheiten wiederherzustellen. Sie wird oft durch psychischen Druck wie Verbote oder offensichtlicher Beeinflussung ausgelöst. |
| hoch eskalierte Konflikte | Nach der Eskalationstheorie von Glasl und den Auffassungen von Mediatorn ist eine Mediation bei hoch eskalierten Konflikten nicht möglich. Gemeint sind Konflikte der Eskalationsstufen höher als Stufe sieben, wo das Konfliktverhalten die Selbstvernichtung in Kauf nimmt. Die Mediation ist möglich, wenn auch schwierig. Es bedarf einer Autorität, damit die Parteien sich auf die Mediation einlassen und in der Mediation bleiben. |
| Gesprächsregeln | Gesprächsregeln sind von den Gesprächsgrundsätzen und den Grundsätzen der Mediation zu unterscheiden. Sie werden mit den Parteien vereinbart, wenn sie erforderlich sind, um das Gespräch unter Kontrolle zu haben. |
| Konfliktphänomene | Konfliktphänomene sind Erscheinungsformen des Konfliktes. Sie werden im Wiki zusammengefasst und beschrieben. |
| Übertragung | Die Übertragung reaktiviert alte, meist frühkindliche Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, mit der alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen reaktiviert werden. |
| Gegenübertragung | Die Übertragung reaktiviert alte, meist frühkindliche Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, mit der alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen reaktiviert werden. Die Gegenübertragung ist das Pendant dazu. Sie beschreibt die emotionale Reaktion einer anderen Person auf die Übertragung, wo eigene ähnliche Muster hervorgerufen werden. |
| Resonanz | Die Resonanz ist ein physikalisches Phänomen, das die Verstärkung oder die Schwingungsübertragung beschreibt und dadurch zum Mittönen oder Mitschwingen eines anderen Körpers führt. Im Übertragenen Sinn bedeutet Resonanz auch Widerhall, Verständnis, Zustimmung. In der Psychologie wird der Begriff im Zusammenhang mit sozialen Interaktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen verwendet. Im NLP beschreibt er die Fähigkeit, eine harmonische Verbindung oder Übereinstimmung mit einer anderen Person herzustellen. |
| Metaebene | Die Metaebene bezeichnet eine Ebene aus der heraus eine übergeordnete Sichtweise möglich ist. Sie erlaubt eine Reflexion ihres Systems oder ihrer Struktur und der darin vorkommenden Verhaltensweisen, so dass diese als Objekte (von außen betrachtet) behandelt werden können. |
| argumentieren | Gründe zum Beweis oder zur Rechtfertigung darlegen. Das Argumentieren passt in die Phase 2, wo Positionen (und deren Begründung) dargelegt werden. Wenn es noch später in der Mediation vorkommt, muss sich der Mediator fragen, ob die Mediation auf dem richtigen Kurs ist. Für den Mediator selbst gibt es in keinem Fall einen Grund diese Technik anzuwenden. Auch dann nicht, wenn er angegriffen wird. |
| Dimensionalonthologie | Der Begriff geht auf Viktor Franke zurück. Er schreibt dem menschlichen Sein drei Dimensionen zu: das Leibliche (Somatische), das Seelische (Psychische) und das Geistige (Noetische). Es ist ein interessanter antroposophischer Ansatz zum Verständnis des Menschen, der in der Logotherapie und auch in der Mediation verwertbar ist. |
| Schuldgefühle | Schuldgefühle würden typischerweise dann ausgelöst, wenn Personen das Leiden Anderer als ihr eigenes Verschulden ansehen und sich dafür verantwortlich fühlen. Sie sind von der Schuld und der Verantwortung zu unterscheiden. |
| Konfliktverhalten | Das Konfliktverhalten beschreibt die Art und Weise, wie mit dem Konflikt umgegangen wird. |
| Pflichtverletzung | Es geht um die Pflichten des Mediators in der Mediation und um die Verletzung dieser Pflichten. Die Auseinandersetzung mit den Pflichten ist ein wichtiges Thema, bei dem in der Praxis und der Rechtsprechung viel Unklarheit besteht. |
| Orangenbeispiel | Das aus dem Harvard-Konzept stammende Orangenbeispiel belegt deutlich den Effekt, wenn Positionen von Interessen unterschieden werden. Das Orangenbeispiel wird oft als Metapher für eine Mediation genutzt. Es schildert jedoch nur einen Aspekt der Mediation, der auch nicht immer zielführend ist. Das Orangenbeispiel ist nicht direkt ein Werkzeug der Mediation, wohl aber eine Metapher, wie die Werkzeuge zu benutzen sind. |
| Phänomenologie | Der Begriff der Phänomenologie setzt sich mit dem Sichtbaren auseinander. Er wird aus den altgriechischen Wörtern abgeleitet die mit Erscheinung und Lehre übersetzt werden können. Die Phänomenologie der Konflikte ist somit die Auseinandersetzung mit den Erscheinungsformen der Konflikte, um daraus eine Lehre abzuleiten. |
| Waffenstillstandsvereinbarung | Vereinbarung während der Mediation um Störungen, Aggressionen und Einflüsse von außen auf das Verfahren abzuwehren. |
| Waffen | Waffen sind Geräte, Instrumente, oder Vorrichtung als Mittel zum Angriff auf einen Gegner, zum Erlegen von Tieren, zur Zerstörung von Bauwerken, technischen Anlagen usw. oder zur Verteidigung. Sie sind ein Mittel der Gewaltanwendung, die definitionsgemäß auch ohne Waffen auskommt. Wenn Waffen zum Einsatz kommen, ist das Ziel der Mediation nicht nur einen Waffenstillstand, sondern eine Waffenniederlegung zu erreichen. |
Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen