Die Sprache der Mediationsschulen

Schulen

Wissensmanagement » Diese Seite gehört zur Rubrik Schulen der Wiki-Abteilung Akademie. Sie befinden sich auf der Seite Termini wo die unterschiedliche Terminologie der jeweiligen Lehre identifiziert wird. Beachten Sie bitte auch:

Schulen Konzepte Thesen Begriffe Aufgaben Inhalte Beispiele Prüfung

Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
AbschlussritualVorgegebenes Handlungsformat für die Durchführung der Abschlussvereinbarung.
KlischeeÜbersetzt bedeutet Klischee so viel wie Abklatsch. Das Klischee ergibt sich aus einer schablonenhaften Vorstellung von einer Redensart, einem Kunstwerk oder einem Stilmittel. Hinter dem Klischee verbirgt sich ein Eindruck, der gegen Stereotype und Vorurteile abzugrenzen ist.
SchablonendenkenSiehe Schubladendenken
SchubladendenkenDas Schubladendenken beschreibt eine engstirnige, undifferenzierte Denkweise, die nur ein Denken in starren Kategorien erlaubt. Der Mediator muss gegebenenfalls versuchen, der Partei aus diesem Denkschema herauszuhelfen.
VorurteileEin Vorurteil oder auch ein Vorverständnis ist die Einschätzung, die einer Person, einer Gruppe, einem Sachverhalt oder einer Situation zugeschrieben wird, ohne dass sie gründlich und umfassend untersucht, abgeklärt oder abgewogen wird. Vorurteile führen in eine Bewertung. Sie kann positive wie negativ ausfallen.
StereotypenStereotype sind generalisierende Informationen, die Informationen bündeln und somit die Realität allenfalls nur annähernd wiedergeben.
neuronale SimulationDie neuronale Simulation ist ein Effekt, den sich das Framing zueigen macht. Es bewirkt, dass das Gehirn sogar eine sinnliche Wahrnehmung simulieren kann, wenn bestimmte Worte verwendet oder Geschehnisse beschrieben werden.
neuronaler FingerabdruckDie Denkleistung des Gehirns hängt von der neuronalen Vernetzung ab. Dabei hinterlässt jeder einzelne Gedanke ein eigenes, unverwechselbares Muster und eine Art Fingerabdruck im Gehirn aus dem sich die Bedeutung des Wahrgenommenen erschließt.
Framing

Frame kommt aus dem Englischen und bedeutet Rahmen. In der Kommunikationswissenschaft wird der Begriff verwendet, wo Themen in einen Kontext eingebettet werden, um beim Empfänger bestimmte Assoziationen hervorzurufen. Verwendung:

a) Einbettung von Ereignissen und Themen in subjektive Deutungsrahmen
b) Rahmenbedingungen herstellen

Framing-EffektDer Framing-Effekt beschreibt, dass und wie das Verhalten eines Empfängers durch unterschiedliches Formulieren des gleichen Inhaltes beeinflusst werden kann.
BedeutungsklärungSiehe Bedeutungserhellung
BedeutungserhellungHerangehensweise zur Aufdeckung der Bedeutungen und der Bedeutungswirklichkeit.
GelegenheitsfensterSiehe Window of Opportunity
EntscheidungsreifeDie Entscheidungsreife ist ein Begriff aus dem Juristischen. Sie beschreibt den Moment, wo alle Fakten vorliegen, um eine Entscheidung zu treffen. Die Entscheidungsreife ist in der Mediation gegen den Begriff Kairos oder Window of Opportunity abzugrenzen. Um eine Parallele herzustellen kann in der Mediation von einer Entscheidungsreife (besser: von einer Verhandlungsreife) gesprochen werden, wenn alle Nutzenkriterien für die Lösung in der 3.Phase herausgearbeitet wurden, die in der Lage sind, den Konflikt zu überwinden und die von allen Parteien verstanden und akzeptiert werden.
VerhandlungsreifeDie Verhandlungsreife entspricht der Entscheidungsreife in einem juristischen Verfahren. Sie ist gegeben, wenn alle Nutzenkriterien für die Lösung in der 3.Phase herausgearbeitet wurden, die in der Lage sind, den Konflikt zu überwinden und die von allen Parteien verstanden und akzeptiert werden.
KonfliktcharaktereEs gibt typische Verhaltensmuster im Konflikt, die als Charaktere einzustufen sind. Charaktermerkmale sind: konfliktscheu, harmoniesüchtig, konfliktfähig, konfliktfreudig.
KonfliktscheueDie Konfliktscheue oder die Konfliktscheuheit beschreibt ein konfliktvermeidendes Verhaltensmuster von Menschen.
KonfliktfreudeDie Konfliktfreude oder die Konfliktfreudigkeit beschreibt ein konfliktsuchendes Verhaltensmuster von Menschen.
KonfliktfähigkeitUnter der Konfliktfähigkeit wird die Fähigkeit verstanden, eine Auseinandersetzung aufzunehmen, konstruktiv zu bewältigen oder nach Möglichkeit bereits im Vorfeld zu vermeiden.
KonfliktverhaltenszuschreibungenMit diesem Begriff werden die Attributionen von Menschen in ihrem Konfliktverhalten beschrieben. Typische Zuschreibungen sind: konfliktscheu, harmoniesüchtig, konfliktfähig, konfliktfreudig.
PflichtenverzeichnisAuflistung aller Pflichten des Mediators.
Mediationspflichten Siehe Mediatorenpflichten
SystemtheorieDie Systemtheorie versucht soziologische Strukturen in ihrer gesamten Komplexität zu begreifen. Sie kann mit diesem Auftrag auch auf die Mediation angewendet werden.
MotiverhellungDie dritte Phase der Mediation wird entweder als Interessenerhellung oder als Konfliktarbeit bezeichnet. Die (immer noch) auf eine Handlung oder Unterlassung ausgerichteten Ziele) gehen oft nicht tief genug (auf die Bedürfnisse ein), um den zu erwarteten Nutzen definieren zu können. Deshalb orientiert sich die kognitive Mediationstheorie eher an den Motiven, sodass die Phase drei nach diesem Konzept eine Motiverhellung darstellt.
EntropieIn der Informationstheorie (oder der Kommunikationstheorie) beschreibt die Entropie das Informationsdefizit zwischen dem Sender einer Information und ihrem Empfänger.
InformationstheorieDie Informationstheorie ist eng mit der Kommunikationstheorie verknüpft, wenn die Kommunikation von der Vorstellung ausgeht, dass es sich um einen Austausch von Informationen in einem Sender-Empfänger-Modell handelt. Die Informationstheorie ist ein mathematischer Erklärungsansatz, der die Defizite im Informationsaustausch festzulegen versucht.
Relativität der InformationDie Information ist eine Wissensvermittlung. In der Mediation zeigt sich ihre Relativität. Nicht jede Information ist zielführend. Es ist die Aufgabe des Mediators, die Information so anzunehmen und gegebenfalls umzugestalten, dass sie in die Mediation passt.
QualifikationDie Qualifikation bezeichnet die Erlangung oder Erweiterung einer Kompetenz. Sie definiert, belegt und unterstellt die Fähigkeit, die neu erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten anzuwenden. Ein Mediator kann verschiedene Qualifikationen erwerben.
MediationskonzeptAus der Herleitung der Mediation lässt sich das Konzept für ihre Ver- und Anwendung ableiten.
materielle MediationEine Mediation, die methodisch alle Elemente der Mediation in ihrer Funktionalität zusammenführt, ohne dass es sich um ein formelles Verfahren iSd Mediationsgesetzes handelt (siehe auch integrierte Mediation, substantielle Mediation).
DoomscrollingDoomscrolling heißt übersetzt so viel wie "Untergang abrollen". Gemeint ist das Phänomen, dass sich Menschen von. schlechten Nachrichten in Internet angezogen fühlen. Es ist ein Teufelskreis, weil deshalb negative Nachrichten und Problemschilderungen überhand nehmen. Das Bild der Realität verschiebt sich. Die positive, selbstbewusste Sicht geht verloren. Der Überkonsum kann zu psychischen Krankheiten führen.
KillerphrasentechnikKillerphrasen sind Aussagen, die darauf angelegt sind, ein Gespräch schnell und ohne Ergebnis zu beenden. Die Killerphrasentechnik wandelt die Killerphrase in ein konstruktives Gespräch um.
AnkereffektIn der Kognitionspsychologie beschreibt der anchoring effect eine Beeinflussung, die sich oft unbewusst auf menschliche Entscheidungen auswirkt.
BeziehungsopferDer Begriff Beziehungsopfer hat eine doppelte Bedeutung. Zum Einen spricht er die Notwendigkeit an, in einer Beziehung Opfer zu bringen. Damit ist die Beziehungsarbeit gemeint oder die Investition, die in eine Beziehung anzulegen ist. Zum anderen deutet er darauf hin, dass es auch in einer Beziehung Partner gibt, die sich in der Opferrolle befinden oder in eine solche Rolle gedrängt werden. Das ist der Fall, wenn die Beziehungsinvestitionen ungleich verteilt werden.
sinnliche WahrnehmungDie sinnliche Wahrnehmung betrifft die Informationsaufnahme durch die Sinnesorgane.
kognitive WahrnehmungDie kognitive Wahrnehmung betrifft das Erinnern, Lernen, Problemlösen oder Orientieren.
WahrnehmungWahrnehmung beschreibt die Aufnahme sinnlich zu erfassender Reize sowie deren Verarbeitung zu subjektiv sinn­vollen Gesamteindrücken.
OpferrolleMit dem Begriff der Opferrolle wird eine Haltung des Opfers beschrieben, mit der das Opfer dem Täter Verantwortung für das eigene Schicksal zuschreibt.
ParteirolleMit diesem Begriff wird auf die Rolle der Parteien im jeweiligen Verfahren hingewiesen. Die Rolle ergibt ihre Funktion und diese wieder definiert ihre Verantwortung im Verfahren. Die Medianden haben in der Mediation eine exponierte Rolle, indem sie selbst die Lösung finden sollen.
Stockholm-SyndromDas Stockholm-Syndrom bezeichnet das psychologische Phänomen, wo Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen.
ViktimisierungDie Viktimisierung beschreibt ein Verhalten, bei dem jemand anderes in eine Opferrolle gedrängt wird.
KonfliktursacheDie Konfliktursache ist der Grund, warum es zum Konflikt kommt. Also die Frage nach dem Widerspruch oder der Unvereinbarkeit, die das Konfliktverhalten auslöst.
KonfliktanlassDer Konfliktanlass ist das den Konflikt auslösende Moment. Es sollte nicht mit dem Konflikt gleichgesetzt werden.
kreatives DenkenDas kreative Denken wird als die Kompetenz definiert, vielfältige, eigenständige und gestaltende Ideen zu produzieren, zu evaluieren und zu verbessern. Ideen können effektive Lösungen realer Probleme, Fortschritte im Wissen und wirkungsvolle Ausdrucksformen der Vorstellungskraft sein. In der Mediation bezieht sich die Kreativität auf die Lösungssuche. Abgesehen von der Verfahrensstruktur stellt die Mediation verschiedene Techniken zur Verfügung, die den kreativen Prozess unterstützen.
KreativitätKreativität ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und nützlich oder brauchbar ist. In der Mediation bezieht sich die Kreativität auf die Lösungssuche. Abgesehen von der Verfahrensstruktur stellt die Mediation verschiedene Techniken zur Verfügung, die den kreativen Prozess unterstützen.
kognitive VerzerrungSystematische, fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Schlussfolgerungen unseres Gehirns. Siehe auch Denkfehler.
kognitive VerzerrungSystematische, fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Schlussfolgerungen unseres Gehirns. Siehe auch Denkfehler.
initialisierende FrageDie initialisierende Frage zählt zu den Initialisierungsfragen. Im Singular ist die Ausgangsfrage (pro Thema) in der dritten Phase. Sie bereitet Anfängern oft Schwierigkeiten, weil sie eine Änderung des Gedankenganges bewirkt. Ziel der Fragestellung ist, die Bedeutungen und Motive hinter dem Thema herauszufinden.
BedürfniskreisDer Bedürfniskreis stellt die Bedürfnisse in einem Kreis dar, sodass die Spannungsverhältnisse gegensätzlicher Bedürfnisse besser zum Ausdruck kommen.
NachhaltigkeitUnter der Nachhaltigkeit wird eine länger andauernde Lösung verstanden. Sie wird als Leistungsmerkmal der Mediation versprochen und ist zugleich ein Abgrenzungsmerkmal zu anderen Verfahren. Die Nachhaltigkeit soll mit den Parteien bei der Lösungsmanifestation besprochen und geprüft werden.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

Weitere Beiträge zu dem Thema mit gleichen Schlagworten
wiki page : Allgemein
wiki page : Glossar
wiki page : Lexikon
forum post : Mediationsverfahren