Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
VerhandlungsbereitschaftDie Verhandlungsbereitschaft ergibt sich aus dem Motiv, an der Verhandlung teilnehmen zu können. Auf die Mediation bezogen, wird die Mediationsbereitschaft angesprochen.
FührungLaut Gabler Wirtschaftslexikon ist Führung die "durch Interaktion vermittelte Ausrichtung des Handelns von Individuen und Gruppen auf die Verwirklichung vorgegebener Ziele; beinhaltet asymmetrische soziale Beziehungen der Über- und Unterordnung". Der Begriff hat in der Mediation einen Bezug in §1 Abs. 2 Mediationsgesetz wo es heisst, dass der Mediator eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis ist, die die Parteien durch die Mediation führt.
SpiegelgesetzeLeitsätze, die auf dem Sichtwechsel beruhen, dass die Umwelt des Menschen der Spiegel seiner Persönlichkeit ist.
Faktor-DBeim Faktor-D handelt es sich um den "dunklen Faktor" der Persönlichkeit, der sich durch einen übertriebenen Egoismus auszeichnet und negative Auswirkungen auf Andere oder die Gesellschaft im Allgemeinen hat. Das Verhalten wird von Überzeugungen genährt, die Schuldgefühle, Gewissensbisse und moralische Skrupel verhindern.
CharakterDer Charakter beschreibt die typischen Eigenschaften eines Menschen. Die bewussten oder unbewussten Zuschreibungen der Parteien könnten auch in der Mediation eine Rolle spielen.
MentorenEin Mentor ist eine erfahrene Personen, die ihr fachliches Wissen und ihre Erfahrungen an eine unerfahrene Person (Mentee) weitergibt.
Richtermediatorersetzt durch Güterichter
RechtsfriedeKein wirklicher Friede aber Ausschöpfung des Instanzenweges. D.h.: Es gibt keine Gerichtsinstanz mehr.
Fünf-Faktoren-ModellDas auch als Big Five bezeichnete Fünf-Faktoren-Modell versucht die kennzeichnenden Merkmale der Persönlichkeit eines Menschen auf einer Skala abzubilden. Unterschieden werden: Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und Verletzlichkeit.
KonfliktbotschaftDie hinter dem Konflikt verborgene Botschaft. Was will der Konflikt uns sagen?
TriebTriebe bezeichnen einen psychischen oder physiologischen Antrieb, der aus einem Spannungsverhältnis entsteht und zur Befriedigung (Ausgleich der Spannung) motiviert. Triebe werden in der Mediation im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Motiven und Motivationsmöglichkeiten angesprochen.
BedeutungDie Bedeutung verkörpert den Sinn der sich hinter allem verbirgt, dem eine Aussage zugeschrieben werden kann. Die Bedeutungswirklichkeit ist von der Faktenwirklichkeit zu unterscheiden. Die Unterscheidung spielt in der Mediation eine wichtige Rolle, weil sie verschiedene Sichten erlaubt und gegenüberstellen kann.
KonfliktdynamikDie Konfliktdynamik beschreibt den Prozess, der durch auslösende und verändernde Einflüsse eine konflikttypische Entwicklung nimmt. Die Einflüsse zu kennen heißt, sich die Dynamik nutzbar machen zu können.
GeistberaterGeistberater oder auch Mediationsgeister genannt, sind die meist im Hintergrund wirkenden, unerkannten Personen, die als Laien- oder Pseudo-Berater Einfluss auf das Verhalten und Verhandeln der Parteien nehmen.
ScreeningDer Begriff wird in verschiedenen Bereichen und Disziplinen nicht immer einheitlich verwendet (zB im Beitrittsverfahren der EU, zur Erkennung von Vorerkrankungen und Krankheitsanreizen, zur Beurteilung von Produktideen). Grundsätzlich handelt es sich um ein Testverfahren, das darauf abzielt, alle einflussnehmenden Faktoren innerhalb einer Problemstellung zu identifizieren und gegeneinander abwägen zu können. (Siehe auch Konfliktscreening)
DissensUneinigkeit, Meinungsverschiedenheit. Im Juristischen kann ein Dissens zu nicht übereinstimmenden Willenserklärungen führen, sodass der Vertrag ggfalls nicht zustandekommt. Den Gegensatz bildet der Konsens.
KonsensÜbereinstimmung von Meinungen und Zielen. Im Juristischen ist die Übereinstimmung von Willenserklärungen angesprochen. Den Gegensatz bildet der Dissens. Die Mediation zielt darauf ab, Konsens zu erwirken.
St. FloriansprinzipDas St. Floriansprinzip entspricht dem NIMBY-Konflikt. Das Prinzip beschreibt ein Konfliktverhalten, mit dem Bedrohungen auf andere abgewälzt werden.
CAVECAVE ist ein Akronym, das einen Charakter des Widerstands bei Aktivisten beschreibt. Das Akronym steht für Citizens against virtually everything. Bürger gegen eigentlich alles.
DenkfehlerUnter einem Denkfehler versteht die Psychologie eine Fehleinschätzung, einen Irrtum oder eine falsche Schlussfolgerung. Der Mediator muss Denkfehler erkennen und selbst vermeiden.
DirektionsbefugnisDirektionsbefugnis bezeichnet die Berechtigung Anweisungen und Verfügungen zu erlassen, etwa zur Verfahrensdurchführung. Der Mediator hat keine originäre Direktionsbefugnis.
SymptomträgerDer Symptomträger zeigt Probleme, die im System verborgen sind.
MediationsbarometerTrendanalysen für die Mediation
BedürfnisDas Bedürfnis beschreibt den Zustand oder das Erleben eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch, ihn zu beheben.
homöostatisches MotivationsmodellHomöostase bedeutet physiologisches Gleichgewicht. das homöostatische Motivationsmodell geht davon aus, dass ein Mangelzustand auszugleichen ist. Das Modell findet eine Analogie im Lösungspentagramm und damit auch einen Bezug zur Mediation.
PleonasmusEine Wortverdoppelung, die im Begriff Mediationsverfahren aufgegriffen wird. Die Mediation ist in §1 Mediationsgesetz bereits als ein Verfahren definiert.
FlowDer Flow ist ein Begriff aus der Psychologie. Er bezeichnet einen Selbstläufer. In der Mediation bezeichnet er das erkennbare Phänomen, wenn die Parteien sich im Gedankenfluss der Mediation bewegen,
RechtshängigkeitDie Rechtshängigkeit eines Zivilprozesses beginnt mit der Zustellung der Klage. Sie bewirkt beispielsweise, dass ein Verfahren mit gleichem Gegenstand bei keinem anderen Gericht anhängig gemacht werden kann.
Dreierschritt der Entscheidung

Analog dem 3-er Schritt der Wahrnehmung setzt sich auch die Entscheidung aus mindestens drei Schritten zusammen. Die Schritte sind:

  1. Die Optionen der Wahl werden erkannt
  2. Es gibt eine Vorstellung über die Auswirkungen (Nutzen, Konsequenzen)
  3. Darauf bezogen wird die Wahl getroffen
Elevator PitchEin Elevator Pitch simuliert das kurze Zeitfenster einer Aufzugsfahrt in dem ein Produkt oder eine Idee zu beschreiben ist. Er beschreibt die Notwendigkeit, die Mediation in so kurzer Zeit zuverlässig zu beschreiben, dass beim Zuhörer ein Interesse geweckt wird.
HandhabungDie Handhabe bzw. die Handhabung beschreibt üblicherweise ein Mittel, um etwas zu erreichen. Hier beschreibt sie das maßgebliche Arbeitsmittel oder den Arbeitsschwerpunkt des Verfahrens.
BewertungDen Wert oder die Qualität von etwas abschätzen bzw. aus einer Sache eine bestimmte Bedeutung herauslesen.
VerhandlungsklimaStimmung und Atmosphäre der Verhandlung
FilibusterForm der Vielrednerei. Der Filibuster benutzt die Rede um andere zu ermüden und Zeit zur Gegenrede zu nehmen. Es ist ein Machtmissbrauch, der in der Mediation nicht zu akzeptieren ist.
EhevertragMit einem Ehevertrag können Eheleute Regeln für die Ehe und Regeln für den Fall der Trennung oder Scheidung vorgeben. Dann ist von einer Scheidungsfolgenvereinbarung die Rede. Der Ehevertrag ist gegebenenfalls an eine Form gebunden.
ScheidungsfolgenvereinbarungMit der Scheidungsfolgenvereinbarung regeln Eheleute die Folgen einer Trennung oder Scheidung.
VerfahrensaspekteAls Verfahrenseffekte werden die Ausprägungen der Verfahrenskriterien und die Spielarten der Verfahren beschrieben. Sie erlauben eine graduelle Gegenüberstellung und somit eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit für die unterschiedlichen Verfahrenskategorien.
KonsensvergleichEin Vertrag, durch den der Streit oder die Ungewissheit der Parteien über ein Rechtsverhältnis NICHT im Wege gegenseitigen Nachgebens, sondern basierend auf Einsicht und voller Interessenbefriedigung beseitigt wird.
KompromissvergleichEin Vertrag, durch den der Streit oder die Ungewissheit der Parteien über ein Rechtsverhältnis im Wege gegenseitigen (resignativen) Nachgebens beseitigt wird. Es ist der von § 779 BGB geregelte Fall.
EntscheidungshilfeHilfe bei der Entscheidung (Finden und Auswählen von Lösungsalternativen). Wer die Mediation als ein Informationsmanagement begreift, sieht in ihr eine Entscheidungshilfe bei Widersprüchen usw.
Value Focused ThinkingDas wertebezogene Denken soll den Entscheider über seine Fundamentalbedürfnisse bewusst werden lassen. Es findet sich in der Mediation im Windows 1 und der Interessenerhellung wieder.
NutzwertanalyseDie Nutzwertanalyse ist ein Bewertungsverfahren bei dem nicht monetäre Ziele verglichen werden.
FundamentalzieleZiele im Entscheidungsprozess mit einem eigenständigen Wert.
InstrumentalzieleZiele im Entscheidungsprozess ohne eigenständigen Wert. Sie werden benutzt, um Wirkungen auf ein fundamentales Ziel zu entfalten.
Bias FaktorenVerzerrungen bei der Wirkungsprognose im Entscheidungsprozess lassen sich durch Verzerrungsfaktoren darstellen.
LeitsatzLeitender Grundsatz, Theoreme, Lehr- und Merksätze. In der Mediation sollen Leitsätze helfen, den richtigen Weg durch die Mediation zu finden. Leitsätze dienen dem Verständnis. Regeln sind zu befolgen.
HarmonieagentenDer Begriff wird synonym mit Streitschlichern verwendet (im konkreten Fall an einer Schule)
interkulturelle KompetenzWie auch in der Mediation setzt sich die interkulturelle Handlungskompetenz aus dem Wissen, der Fertigkeit (also der Fähigkeit das Wissen anzuwenden) und der Einstellung zusammen. Die soziale Kompetenz spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie die Einstellung.
KonfliktzuweisungsprinzipDas Prinzip der differenzierten Konfliktzuweisung erwartet, dass für jeden Konflikt das passende Verfahren bereitgestellt wird.
Double BindDie Kommunikation enthält zwei widersprüchliche Botschaften.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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