Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
KonfliktbegleitungDie Konfliktbegleitung beschreibt eher einen Bedarf als ein Dienstleistungsangebot
Schriftform§126 BGB besagt, wie die Schriftform rechtswirksam zu vollziehen ist. Die Urkunde muss von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet werden. Bei einem Vertrag muss die Unterzeichnung der Parteien auf derselben Urkunde erfolgen. Werden über den Vertrag mehrere gleichlautende Urkunden aufgenommen, so genügt es, wenn jede Partei die für die andere Partei bestimmte Urkunde unterzeichnet. Die schriftliche Form kann durch die elektronische Form ersetzt werden, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt. Die schriftliche Form wird durch die notarielle Beurkundung ersetzt.
OxymoronEin Oxymoron ist ein Begriff, der einen Widerspruch in sich trägt. In der Mediation begegnen wir solchen Oxymora in Begriffen wie Anwaltsmediator oder Notarmediator.
VerfahrenshindernisseHindernisse, die der Durchführung eines Verfahrens im Wege stehen. Hier wird der Begriff synonym mit den der Mediationshindernissen verwendet.
Textform§126b BGB besagt, wie die Textform rechtswirksam zu vollziehen ist. Wenn das Gesetz Textform vorschreibt, muss eine lesbare Erklärung, in der die Person des Erklärenden genannt ist, auf einem dauerhaften Datenträger abgegeben werden. Ein dauerhafter Datenträger ist jedes Medium, das es dem Empfänger ermöglicht, eine auf dem Datenträger befindliche, an ihn persönlich gerichtete Erklärung so aufzubewahren oder zu speichern, dass sie ihm während eines für ihren Zweck angemessenen Zeitraums zugänglich ist, und dass sie geeignet ist, die Erklärung unverändert wiederzugeben.
Themenzentrierte InteraktionDie Themenzentrierte Interaktion (TZI) versucht eine dynamische Balance in der Arbeit mit Gruppen herzustellen. Die Balance bezieht sich auf die Faktoren Person (Ich), Gruppeninterak­tion (Wir), Aufgabe (Es) und Umfeld (Globe). Die Gleichgewichtig­keit der Faktoren wird als Basis der TZI-Gruppenarbeit beschrieben.
Inner GameDas Inner Game betrifft die im Inneren wirkenden Mechanismen eines Menschen. Der Begriff und die sich daraus ergebene Methode wurde von dem Sportpädagogen Timothy Gallwey entwickelt. Das Inner Game beschreibt den Vorgang, der sich auf die Einstellung, den Spiel- und Kampfgeist auswirkt und mit den nach außen wirkenden Aktionen im Zusammenhang steht, wenn es sie nicht gar bedingt.
AnalogieEin vergleichbares Beispiel oder Bild mit einer anderen Aussage oder zur Verdeutlichung einer Aussage. Die Analogie spricht die analoge Wahrnehmung an und erlaubt eine sinnliche Erfahrung.
PULS-Prinzip

P=Problem
U=Ursachen
L=Lösung
S=Sichern

UmwidmungDas Umwidmen gibt der Information eine andere Bedeutung. Ein Befehl könnte in einen Gefallen umgedeutet werden. Ein Angriff in den Wunsch etwas zu bewirken oder als eine Aktion der Hilflosigkeit.
BargainingÜbersetzt heisst Bargaining so viel wie feilschen. Bargaining kennzeichnet eine Verhandlungstheorie, bei der eine Gleichgewichtslösung durch Verhandlungen angestrebt wird. Es ist eine Technik, die auseinander liege Verhandlungspositionen in einem Verteilungskonflikt Schritt für Schritt zusammenbringt.
FamilienanamneseDer Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erinnerung. Er wird in der Medizin verwendet und meint ein Gespräch zwischen Arzt und Patient zur Evaluierung der in der Familie vorkommenden Krankheiten. Die Familienanamnese wird auf die Kommunikation bezogen auch in der Mediation eingesetzt, um die Ursachen des Scheiterns der Familie aufzudecken und Schuldfragen zu entkräften.
Perspektivenwechsel Der Perspektivenwechsel erlaubt eine andere Sicht auf dasselbe. Er kann durch das Reframing, durch zirkuläre Fragen oder durch einen Rollentausch erreicht werden. Die geänderte Perspektive erlaubt eine andere Bewertung des Problems.
asynchrone KommunikationDie asynchrone Kommunikation findet bei nicht gleichzeitiger Anwesenheit der Parteien statt. Beispiele sind Telefonate, Briefe oder e-Mails.
BrainstormingEs werden spontane Ideen gesammelt, die zu einer Lösung beitragen sollen.
Ich-BotschaftenKommunikation findet nach Friedemann Schulz von Thun auf 4 Ebenen statt, die er als "vier Münder" und "vier Ohren" (Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell) umschreibt. Häufig kommt es jedoch vor, dass Menschen nur einen Mund und nur ein Ohr einsetzen. Der Mediator ersetzt diese Selektion, indem er die ich Botschaften herausstellt.
IntervisionEine Methode die als Reflexionshilfe und zur Aufdeckung der eigenen Ressourcen des Mediators verwendet werden kann, indem sich der Mediator mit Kollegen austauscht.
DokumentationFallbeschreibung in erster Linie zur internen Qualitätskontrolle nach der Vorlage Muster-Dokumentation
PleonasmusDie Wichtigkeit des Gesagten wird durch Wiederholungen gerne in andern Formulierungen herausgestellt. Eine Bedeutung wird auf mehrfache Weise wiederholt dargestellt.
CoopetitionCoopetition ist ein Kunstwort, das sich aus Cooperation und Competition zuzsammensetzt. Die Coopetition hat also ein kooperatives und ein kompetitives Element. Das mediative Element beschreibt die Konsensfähigkeit.
MetakommunikationKommunikation über die Kommunikation
CaucusDer Begriff Caucus kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Fraktionsgespräch. Die Mediation oder große Teile davon werden in getrennten Gesprächen geführt.
CP-Verfahrenandere Bezeichnung für die Verfahren der kooperativen Praxis.
Kooperative PraxisDie Parteilichkeit des Anwalts und die Neutralität des Mediators lassen sich in einem Mandat verbinden, wenn man Recht und Konflikt voneinander trennt. Die Anwälte streiten also auf der Sachebene und kooperieren auf der Konfliktebene.
Coaching als BeratungsmodellDas Coaching ist ein gesprächsbasiertes Beratungsmodell, bei dem es meist um die Einschätzung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven geht.
kultursynergetische-MediationDieses Format verfolgt einen transkulturellen Ansatz. Unterschiedlichste kulturübergreifende Einflüsse werden miteiander vereint. Die kulturellen Gemeinsamkeiten werden betont. Synergien werden ausgenutzt.
Hawaiian MediationUnter dem Begriff wird eine auf das Ho’oponopono zurückgeführte Ethno-Mediation bezeichnet. Es bedarf der Prüfung im Einzelfall, ob die Herangehensweise den Anforderungen einer Mediation entspricht.
StreitvermittlungsverfahrenOberbegriff aller Verfahren der Streitvermittlung, also der Mediation und der Schlichtung.
KonfliktvermittlungsverfahrenSiehe Streitvermittlungsverfahren
mediationsanaloge KonfliktvermittlungEine (irgendwie geartete) Konfliktvermittlung, die sich an dem Konzept oder der Vorgehensweise der Mediation ausrichtet.
empathisches VerhandelnWie der Name sagt, handelt es sich um eine Verhandlung, die empathisch ausgeprägt wird. Oft wird auch die Mediation als ein empathisches Verhandeln beschrieben, dass ihre Leistungsfähigkeit jedoch dramatisch unterschätzt. Eine Abgrenzung ist deshalb erforderlich.
GestaltungsmediationDer Begriff wurde eingeführt um darzulegen, dass die Mediation nicht nur zur Bewältigung eines Konfliktes sondern auch zur Gestaltung einer Rechtsbeziehung wie zum Beispiel einer erbrechtlichen Regelung im Vorfall eines Erbfalles eingesetzt werden kann.
mediative SchlichtungEin Hybridverfahren, das Elemente der Mediation und der Schlichtung vereint.
VerständigungsmediationMit diesem Begriff wird ein Verständnis der Mediation umschrieben, das deren Zweck eher in der Verstehensvermittlung und in der Verständigungsfähigkeit der Parteien sieht als in der Abwicklung von Verhandlungen. Um den grundsätzlichen Unterschied zu verdeutlichen grenzt sich die Verständigungsmediation von der Verhandlungsmediation ab.
VerhandlungsmediationMit diesem Begriff wird ein Verständnis der Mediation umschrieben, das deren Zweck eher im Verhandeln versteht als darin, Verständnis herzustellen. Die Verhandlungsmediation wird deshalb und um den Unterschied im Mediationsverständis herauszustellen gegen die Verständigungsmediation abgegrenzt.
FührungskonfliktSiehe Führungskräftekonflikt
SprachkonfliktDer Sprachkonflikt bezeichnet das Phänomen, wenn Sprachen untereinander in Konkurrenz geraten
StrukturkonfliktEin Strukturkonflikt wirkt sich meist auf Gruppen aus. Er bezieht sich auf Divergenzen in der Verantwortung, der Rollen, Aufgaben und Funktionen. Nach der Lehre der Konfliktdimensionen unterscheidet er sich vom Beziehungskonflikt, vom Wertekonflikt, vom Strukturkonflikt und vom Systemkonflikt
FührungskräftekonfliktAls Führungskräftekonflikt wird ein Konflikt mit der Unternehmens- oder Abteilungsleitung oder der Konflikt der oder mit der Führungskraft bezeichnet.
LebenskrisenLebenskrisen sind innere Konflikte oder können sie zumindest hervorrufen. Krisen sind im Leben unvermeidlich und ein Teil desselben. In einem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung beschreibt Erik H. Erikson acht Lebenskrisen, die jeder Mensch durchschreiten muss.
innerer KonfliktEine Person (Partei) ist im Konflikt mit sich selbst. Innere Konflikte werden auch psychologische Konflikte genannt und unterscheiden sich von sozialen Konflikten.
BeziehungskonfliktEin Beziehungskonflikt beschreibt den Konflikt zwischen zwei Personen, der sich nicht auf Sachfragen beschränkt und sich von einem Wertekonflikt unterscheidet.
ScheidungDie Scheidung ist die legale Auflösung der Ehe. Sie umfasst alle Konflikte, die sich im Zusammenhang mit der Eheauflösung einstellen.
VerteilungskonfliktAls Verteilungskonflikt wird ein Konflikt bezeichnet, der nur die Möglichkeit eröffnet, den Gewinn zu verteilen.
NIMBY-Konflikt NIMBY ist ein Akronym für Not in my BackYard. Im Deutschen auch als St. Floriansprinzip bekannt. Das Phänomen beschreibt ein Konfliktverhalten, Bedrohungen lieber auf andere abzuwälzen, als sich ihnen selbst zu stellen. Prägnant wird das Verhalten mit dem ironisch frommen Spruch beschrieben, der den Schutzpatron vor Feuer, St. Florian anruft: „Heiliger Sankt Florian. Verschon’ mein Haus. Zünd’ and’re an!“
PaarkonfliktAls Paarkonflikt wird die Störung in der Beziehung von Eheleuten zu- und miteinander beschrieben.
VermögensauseinandersetzungenKonflikte im Zusammenhang mit der Abwicklung von geschäftlichen oder privaten Beziehungen, wo die Vermögensteilung im Mittelpunkt steht.
RechtsnachfolgekonflikteKonflikte im Zusammenhang mit der Rechtsnachfolge. Anwendungsfälle sind Erbschaftskonflikte und Konflikte bei der Unternehmensübernahme
Intrapsychische KonflikteAuch psychologische Konflikte genannt. Gemeint sind innere Konflikte eines Menschen.
intrasubjektiver KonfliktKonflikt innerhalb eines Subjektes, wozu auch Entitäten gehören, die nicht natürliche Personen sind.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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