Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
Die paradoxe Bindung an den PeinigerDie paradoxe Unterwerfung oder die paradoxe Bindung an den Peiniger beschreiben ein Verhaltensmuster, bei dem Individuen oder Gruppen Vorbilder und Autoritäten suchen, die nichts anderes im Sinn haben als ihnen zu schaden. In der Mediation stellt sich mitunter die Frage, wie das Muster erkannt und aufgelöst werden kann.
Die paradoxe UnterwerfungDie paradoxe Unterwerfung oder die paradoxe Bindung an den Peiniger beschreiben ein Verhaltensmuster, bei dem Individuen oder Gruppen Vorbilder und Autoritäten suchen, die nichts anderes im Sinn haben als ihnen zu schaden. In der Mediation stellt sich mitunter die Frage, wie das Muster erkannt und aufgelöst werden kann.
UnterhaltsstreitigkeitenKonflikte über Unterhaltszahlungen
ZOPA (Zone of Possible Agreement)Die Zone of Possible Agreement (ZOPA) bezeichnet den Bereich, in dem sich die Interessen der Parteien überschneiden. Innerhalb dieser Zone sind Vereinbarungen möglich, die für alle Seiten besser sind als ein Scheitern der Einigung.
Denkkontrolle
GedankenzuschreibungSynonym für "im Kopf des anderen denken"
im Kopf des anderen denkenDie Fähigkeit oder das Laster, im Kopf der anderen zu denken ist ein Anwendungsfall der Theory of Mind (ToM). Sie beschreibt die Fähigkeit, anderen Menschen mentale Zustände wie Gedanken, Überzeugungen, Absichten und Emotionen zuzuschreiben. Diese Fähigkeit ist entscheidend für soziale Interaktionen, Empathie und Kommunikation. Im Konflikt führt diese Fähigkeit oft zu Verschiebungen und Wahrnehmungsverzerrungen, die zur Eskalation beitragen.
ErstberatungFrühe Beratung über die Vorgehensweise im Konflikt. Eine Erstbertung beim Anwalt ist nur eine summarische Bewertung zu einem Vorzugspreis.
Anfrage (Invitatio ad offerendum)Um ein Produkt oder eine Dienstleistung nachzufragen, bedarf es manchmal der Vorinformation. Im Bereich der Mediation muss ich z.B. wissen, ob eine Mediation Sinn macht oder nicht, welche Kriterien erforderlich sind usw. Die Grenze zwischen den zur Nschfrage führenden Informationen und den schon zur Beratung zählenden Inhalten ist fließend. Es bedarf einer Abgrenzung zur Erstberatung und zur ung
Beweiserhebung

Ermittlung streitiger Tatsachen, die für die Entscheidung relevant sind. Die Beweiserhebung im Gericht geschieht durch folgende Erhebungen:

  1. Zeugenvernehmung
  2. Augenscheinseinnahme
  3. Sachverständigengutachten
  4. Urkunden
  5. Parteivernehmung

Sie grenzt sich von der Faktenklärung ab. In der Mediation würde die Beweiserhebung als Tatsachenklärung verstanden sein.

EvaluierenTatsachen ermitteln, Feststellungen treffen
5-Phasen ModellDie Mediation wird in Phasen eingeteilt. Das fünfphasige Modell bildet den Regelfall.
Realitätscheck Die Frage zur Kontrolle von Meinungen, Wahrnehmungen, Eindrücken und Vorstellungen lautet: "Weiß ich wirklich was ich denke / mir vorstelle / als wahr annehme?
StrategiekohärenzStrategiekohärenz meint die innere Stimmigkeit und Widerspruchsfreiheit mehrerer Strategien, die bei der Konfliktarbeit aufeinandertreffen und sich gegenseitig behindern. Es geht um die Vereinheitlichung von unterschiedlichen Verfahrensstrategien mit der Konfliktstrategie und der Kommunikationsstrategie.
GefangenendilemmaBerühmtes Beispiel für ein strategisches Dilemma, das entsteht, wenn die Kooperation nicht möglich ist.
Lautes DenkenLautes Denken ist eine prozessbegleitende Selbstoffenbarung des Mediators, die nicht auf eine Entscheidung, sondern auf eine Erkenntnis abzielt. Das laute Denken wird u.a. im Reflecting-Team praktiziert ähnlich und ist von Vorschlägen abzugrenzen.
KonfliktbeilegungsverfahrenDas Gesetz verwendet den Begriff als Oberbegriff aller Verfahren der Konflikt- und der Streitbeilegung. Achtung: In der gesetzlichen Terminologie ist das Streitbeilegungsverfahren lediglich noch das Verfahren vor der Schlichtungsstelle iSd VSBG. Konfliktbeilegungsverfahren ist der Oberbegriff (des Gesetzgebers) über alle Streitbeilegungsverfahren
HypotheseEine Hypothese ist eine Annahme, die noch nicht bewiesen ist. In der Mediation spielen Hypothesen eine wichtige Rolle. Einmal dienen sie als Hilfe zur Konfliktbearbeitung und zur Navigation durch das Verfahren, zum anderen verhindern sie vorschnelle Bewertungen und Interpretationen des Mediators.
MediationswaisenMediationsvarianten, die keiner Klasse zugeordnet werden können, weshalb eine systematische Erfassung nicht möglich ist.
VerfahrenszweckDer Verfahrenszweck ist vom Verfahrensziel zu unterscheiden. Der Zweck bezeichnet die übergeordnete Funktion oder Intention eines Verfahrens, also warum dieses Verfahren eingesetzt wird und welchen Nutzen es erfüllen soll. Das Ziel ist das, was erreicht werden soll. Der Zweck ist der Sinn, warum man sich auf den Weg macht.
MachtgefälleEin Machtgefälle ist ein Machtungleichgewicht. Es wird in der Mediation als ein mögliches Hindernis gesehen, obwohl es in der Mediation kein Machtgefälle geben sollte.
VertrauenVertrauen meint das feste Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person oder einer Sache. Das Vertrauen spielt innerhalb und außerhalb der Mediation eine wichtige Rolle. Innerhalb der Mediation, wenn es darum geht, wieder eine tragfähige Beziehung herzustellen. Außerhalb der Mediation spielt es eine Rolle für die Nachfrage.
TherapieTherapie bezeichnet geplante, fachlich begründete Interventionen, die darauf abzielen, psychisches oder körperliches Leiden zu lindern, Funktionsstörungen zu behandeln, Entwicklungs- oder Verhaltensmuster zu verändern oder die Lebensqualität betroffener Personen zu verbessern. Therapie setzt regelmäßig voraus, dass ein Behandlungsbedarf besteht oder angenommen wird.
NeurodiversitätNeurologische Muster, die bei vielen Menschen gleich sind, werden als neuroypisch bezeichnet. Muster, die abweichen, sind neurodivers. Der Begriff wurde von der Soziologin Judy Singer in den 1990ern geprägt. Heute wird die Neurodiversität als ein Konzept angesehen, das die natürliche Vielfalt der menschlichen Gehirne und neurologischen Funktionen anerkennt, anstatt Abweichungen als Defizite zu sehen. Es umfasst Zustände wie Autismus, ADHS, Dyslexie und Tourette-Syndrom als normale Variationen, die einzigartige Stärken mit sich bringen können und Akzeptanz statt Pathologisierung erfordern.
Paartherapie

Paartherapie ist eine anerkannte Form therapeutischer Arbeit, die sich auf Beziehungsprobleme in Paaren konzentriert. Sie wird jedoch nicht als eigenständige Therapieform mit eigener Theorie geführt, sondern als Setting bzw. Anwendungsfeld innerhalb verschiedener therapeutischer Schulen. Korrekt ist also die Bezeichnung: Paartherapie im Rahmen von …“ (z. B. systemischer Therapie oder Verhaltenstherapie).

StreitwertDamit ist der Wert gemeint, der den Kosten und Honoraren bei Rechtsstreitigkeiten zugrunde gelegt wird.
häusliche Gewalt Häusliche Gewalt ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand, sondern ein Oberbegriff für verschiedene Delikte, die im privaten Nahraum begangen werden. Die häusliche Gewalt umfasst alle Handlungen körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, die innerhalb der Familie oder des Haushalts oder zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten oder Partnerinnen beziehungsweise Partnern vorkommen, unabhängig davon, ob der Täter beziehungsweise die Täterin denselben Wohnsitz wie das Opfer hat oder hatte.
RechtsberatungEine Informationsvermittlung, basierend auf einer Auswertung oder Einschätzung von Sachverhalten mit der Zuordnung zu Rechtsfolgen, nach einer Subsumtion. Ziel sind Handlungsempfehlungen an den Klienten.
Grey Divorce MediationEine Mediation, die sich auf graue Scheidungen (also die Scheidung von Altehen) und Konflikte bei Ehen, die länger als 25 Jahre gehalten haben, spezialisiert hat. Siehe auch graue Scheidung
Graue ScheidungDie "graue Scheidung", auch bekannt als "Gray Divorce", bezieht sich auf die Trennung älterer Ehepaare im fortgeschrittenen Lebensalter. Die steigende Zahl der Scheidung von Altehen ist auf soziale, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren zurückzuführen. Oft kommen ungelöste Konflikte hinzu, die im Lauf der Jahre angesammelt wurden. Die Scheidung selbst gestaltet sich oft schwieriger, was sich auf die Mediation auswirken kann.
Altehen Siehe Graue Scheidung
WohnungszuweisungWenn sich Eheleute nicht darüber einigen können, wer weiterhin in der Ehewohnung leben soll oder darf, kann die Nutzungsberechtigung vom Gericht entschieden werden. Bei der Entscheidung treten soziale Gesichtspunkte in den Vordergrund. Der Streit um die Ehewohung führt oft in eine Eskalation, insbesondere, wenn beide Ehegatten Miteigentümer sind.
VorsorgemediationDie Vorsorgemediation (auch Vorsorge-Mediation geschrieben) wird einerseits als eine Mediation bezeichnet, die Themen und Konflikte bearbeitet , bei denen es um die eigene Vorsorge und um die Sicherstellung der eigenen Versorgung in den späteren Lebensjahren geht und die andererseits unter Angehörigen von pflegebedürftigen Personen entstehen können. Eine andere Beschreibung sieht die Vorsorgemediation bei Fällen im Zusammenhang mit einer Betreuung, Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung.
9-Felder-MethodeDie Grundannahme der Methode geht davon aus, dass es sich bei Konflikten um systemische Phänomene handelt, wo Bedeutungen konstruiert, statt gefunden werden. Handlungen entstehen aus dem Kontext, der Interpretation und Beziehungsmustern. Interventionen verändern das System bereits durch Beobachtung. Damit folgt die Methode dem Grundsatz: „Man kann ein System nur verändern, wenn man die Muster erkennt, in denen es sich selbst erzeugt.“ Die 9-Felder-Methode unterstützt Mediatorinnen und Mediatoren dabei, Konfliktdynamiken multiperspektivisch zu verstehen, Hypothesen zu entwickeln und Interventionsschritte reflexiv zu planen. Sie stellt damit ein Bindeglied zwischen theoretischem Systemverstehen und praktischer Konfliktbearbeitung dar.
VerfahrensverfahrenDas Verfahren das die Metaebene über den Verfahren abdeckt und das Zusammenspiel der Verfahren steuern kann
VerfahrensberatungBeratung über das zur Konfliktlösung passende Verfahren
VerfahrenskontrolleDie Verfahrenskontrolle bezieht sich zum Einen auf die korrekte Durchführung und zum Anderen auf den Erfolg des Verfahrens. Um die unterschiedlichen Kontrollmöglichkeiten herauszustellen, wird zwischen primären und sekundären Kontrollen unterschieden, die sich einmal auf das Verfahren und ein anderes mal auf das Ergebnis beziehen. Primäre Kontrollen wirken unmittelbar auf den zu kontrollierenden Gegenstand (also das Verfahren oder das Ergebnis) ein. Sekundäre Kontrollen wirken, wenn überhaupt, nur indirekt auf den Gegenstand ein.
EU-MediationsparadoxonDas EU-Mediationsparadoxon beschreibt das Phänomen, dass die Europäische Union Mediation als effiziente und kostensparende Alternative zu Gerichtsverfahren fördert, die tatsächliche Nutzung von Mediation jedoch in vielen EU-Ländern vergleichsweise gering bleibt.
Projizierte UnwahrheitProjizierte Unwahrheit bezeichnet die kognitive und emotionale Tendenz einer Person, dem Gegenüber automatisch Unwahrhaftigkeit zuzuschreiben und dessen Äußerungen oder Verhalten ausschließlich durch die Linse dieser Annahme zu interpretieren. Die Projektion erzeugt eine selbstreferenzielle Realität, welche die tatsächliche Wirklichkeit der anderen Person überlagert oder verzerrt und eine gemeinsame Realität verhindert.
VisionDas inspirierende, emotionale Zielbild einer wünschenswerten Zukunft. Es ist das "Warum" auf einer großen Skala. "Wie sieht eine bessere Welt aus?" / "Wofür kämpfen wir?". In einem Konflikt ist die Vision der gemeinsame Nordstern, auf den sich alle Konfliktparteien wieder ausrichten können, wenn sie im Streit gefangen sind. Sie ist die übergeordnete, positive Absicht, die wichtiger ist als die einzelnen Positionen.
VielrednerJemand der viel redet. In der Mediation können sich aus dem Verhalten Probleme ergeben.
digitale EmpathieDigitale Empathie bezieht sich auf die Fähigkeit, Emotionen und Gefühle in einer digitalen Umgebung zu verstehen und zu teilen. Es bedeutet, einfühlsam zu sein und sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, auch wenn keine direkte physische Interaktion stattfindet. Es geht darum, sich online auf einer emotionalen Ebene zu verbinden und eine reale Verbindung herzustellen.
DigitalisierungUrsprünglich war die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate gemeint, die sich informationstechnisch verarbeiten lassen. Heute wird der Begriff der Digitalisierung weitergehend mit dem technologischen Wandel gleichgesetzt. Die Digitalisierung macht vor der Mediation keinen Halt. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten und Grenzen herauszufinden, wo die Digitalisierung der Mediation entgegenkommt und wo sie mit ihr kollidiert.
DigitalisierungskonflikteDigitalisierungskonflikte beschreiben die durch die digitale Transformation der Arbeitswelt aufkommenden Konflikte in den Wirkrichtungen der Automatisierung, Technisierung, Datifizierung, Virtualisierung und Agilisierung.
Lüge Eine Lüge ist eine bewusst falsche Aussage, die auf eine Täuschung oder Irreführung angelegt ist.
NormalisierenDie Normalisierung hilft den Parteien aus einer Extremsituation. Mit Dingen die normal sind kann man besser umgehen.
Anomaly Detection (Anomalieerkennung)Anomaly Detection (Anomalieerkennung) bezeichnet im militärischen und sicherheitsrelevanten Bereich die Fähigkeit, Unregelmäßigkeiten im Umfeld frühzeitig zu bemerken. Soldaten oder Sicherheitskräfte trainieren, auf Details zu achten, die nicht ins Gesamtbild passen – ein fehlender Schatten, eine ungewöhnliche Geräuschausblendung, ein Objekt, das zu neu, zu sauber oder zu unpassend wirkt. Nicht das Offensichtliche, sondern das Abweichende wird zum relevanten Signal. Anomalieerkennung wird auch eingesetzt, um die Leistung von IT-Systemen zu überwachen und einen reibungslosen Betrieb aufrechtzuerhalten, indem Datenpunkte identifiziert werden, die signifikant vom normalen Muster abweichen. Übertragen auf die Mediation beschreibt dieser Gedanke eine kommunikative Sensibilität: Auch hier sind es oft kleine Abweichungen – zwischen Worten und Körpersprache, zwischen Emotion und Inhalt, zwischen Absicht und Wirkung –, die auf ein verborgenes Bedürfnis oder eine unbenannte Wahrheit hinweisen. Die Technik kann auch genutzt werden, um Lügen aufzudecken.
visionäres DenkenVisionäres Denken ist die Fähigkeit, über die unmittelbare Gegenwart und bestehende Grenzen hinauszublicken, um sich vorzustellen, wie die Zukunft aussehen könnte, und daraus innovative Konzepte und langfristige Strategien zu entwickeln.
WegbereitungDie Wegbereitung erfasst alles, was erforderlich ist, um ein Mediationsverfahren überhaupt in Gang zu bringen. Der Begriff umschreibt die methodische Einbindung von Akquise, Anbahnung, Konsolidierung und Vorbereitung der Mediation.
RealitätstestSiehe Realitätscheck

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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