Die Sprache der Mediationsschulen
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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.
Die Terminologische Zuordnung
Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.
Die Examensdatenbank wird ständig erweitert. Sie können helfen. Sollten Sie einen Begriff vermissen oder anders definieren, geben Sie bitte einen Hinweis, wenn Sie die Änderung nicht selbst einbringen.
| Bezeichnung | Beschreibung |
|---|---|
| Streitiges herausstellen | Unstreitiges und Streitiges sollten gegeneinander abgegrenzt werden. In der 2.Phase werden die gegnerischen Positionen und Streitpunkte nur gegenübergestellt. Es macht Sinn bereits hier zwischen Meinungen und Fakten zu unterscheiden. In der 4. Phase werden die übrig gebliebenen und zur Lösung führenden streitigen Fakten herausgestellt und überlegt, wie sie evaluiert werden können. |
| Planung (einer Mediation) | Es wäre nicht professionell, einfach mal so in ein Gespräch zu gehen, das man dann Mediation nennt, nur weil die Parteien sich einig werden sollen. Die Mediation hat ein Konzept, das es zu verwirklichen gilt und ein Wesen, das sich in dem Konzept wiederfinden muss. Deshalb braucht die Mediation eine Vorbereitung. Bei komplexeren Verfahren ist eine Planung erforderlich. Die Planung umfasst: die Vorgehensweise, die Anpassung an die Rahmenbedingungen, die Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung i.S.d. Erkenntnistheorie. |
| Nutzen | Nutzen wird als Vorteil beschrieben und oft mit dem Gewinn oder dem Ertrag gleichgesetzt, den man von einer Tätigkeit, dem Gebrauch von etwas, der Anwendung eines Könnens o.ä. erwirbt. In der Wirtschaft ist von der Bedürfnisbefriedigung die Rede. Die Philosophie findet den Nutzen im Utlitarismus als ein ethisches Prinzip. Für die Mediation ergibt der Nutzen die Kriterien, an denen die Lösung zu messen ist. |
| Ebenentauchen | Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten taucht der Mediator in die Ebenen hinab bis er eine Platform herstellen kann, die eine gemeinsame Basis für die Lösungsfindung darstellt. Bei den Ebenen handelt es sich um die Lösungen, die Motive (Interessen), die Bedürfnisse … bis hin zu den reinen Fakten, die letztlich von beiden Seiten zuzugestehen sind. |
| Dienstleistungskompetenz | Die Dienstleistungskompetenz geht mit der Berufskompetenz einher. Siehe Berufskompetenz |
| Berufskompetenz | Die Berufskompetenz beschreibt die Fähigkeiten des Mediators zur Durchführung der Mediation in Relation zur Berufstätigkeit. Hier steht nicht nur das Verfahren, sondern auch der Erwerb im Vordergrund. Beides muss aufeinander abgestimmt sein. |
| Polizeimediation | Der Begriff wird in Österreich genutzt. Er bezeichnet keine spezifische Mediationsweise aber einen spezifischen Einsatz. Mediatoren der Volkshilfe (eine gemeinnützige Wohlfahrtsorganisation in Österreich) vermitteln dort, wo die Behörden nicht weiterhelfen können. |
| Aktivisten | Aktivisten sind besonders politisch aktive Menschen, die zielstrebig handeln und politische Ziele durch Taten verfolgen. Meist suchen sie Wege, um ihre Positionen durchzusetzen, die jenseits der regulären, politischen Meinungsbildungsprozesse anzusiedeln sind. Gegebenenfalls ist auch Gewalt ein Mittel, um die Interessen durchzusetzen. |
| NIMBY-Strategie | Die NIMBY-Strategie beschreibt ein Vorgehen bei Aktivisten und Gruppen, die sich gegen Maßnahmen wehren, selbst aber weder eine Lösung anbieten, noch sich daran beteiligen wollen. Es macht wenig Sinn, die Gruppe überzeugen zu wollen. Die NIMBY-Strategie geht davon aus, dass einzelne Mitglieder der Gruppe angesprochen werden sollen, um Zweifel zu wecken, die dann von den Angesprochenen nach innen (in die Gruppe) kom muniziert werden. |
| Verstehenshindernisse | Die Mediation ist eine Verstehensvermittlung. Die Parteien sollen selbst die Lösung finden also müssen Sie verstehen, was dazu erforderlich ist. Die Verstehenshindernisse setzen sich mit der Frage auseinander, was Menschen am verstehen hindert. Naheliegend sind Fehler bei der Wahrnehmung und der Kommunikation. Die Verstehenshindernisse sind ein Teil der Hindernisse, die die Mediation zu überwinden hat. |
| Onlineausbildung | Eine Onlineausbildung ist eine mit technischen Hilfsmitteln online, also via Internet durchgeführte Ausbildung. Sie ist von dem Fernstudium zu unterscheiden. |
| Fernstudium | Ein Fernstudium ist eine Ausbildung, die mit Präsenzanteilen überwiegend im Heimstudium abgewickelt werden kann. Das Fernstudium ist von der Onlineausbildung zu unterscheiden. |
| Kulturdimensionen | Die Unterscheidung der Kulturdimensionen geht auf Geert Hofstede zurück. Sie sollen kulturelle Denk-, Fühl- und Handlungsmuster erkennbar zumachen. Hofstede hat folgende Dimensionen herausgearbeitet, über die sich die Kultur eines Landes ausprägen soll:
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| Verhaltensdimensionen | Die Verhaltensdimensionen gehen auf ein Model von Sir Richard Lewis zurück, der die Kulturunterschiede an Verhaltensmustern festmacht, die Verhaltensdimensionen genannt werden. Unterschieden werden das linear-aktive, das multi-aktive und das reaktive Verhaltensmuster. |
| Lewis Model | Das Lewis Modell ist das jüngste weltweit anerkannte Modell zur Unterscheidung der Kulturen, das in den 1990er Jahren entwickelt wurde. Lewis kam zu dem Schluss, dass Menschen in 3 klare Kategorien eingeteilt werden können, basierend nicht auf Nationalität oder Religion, sondern auf VERHALTEN. Er nannte seine Typologien Linear-aktiv, Multi-aktiv und Reaktiv. |
| Wissen | Wissen bezeichnet einen Bestand von Fakten, Theorien und Regeln, die sich durch den höchstmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Die Auseinandersetzung mit dem Wissen ist nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Anwendung der Mediation von Bedeutung, weil das Wissen ein Teil des Verstehens ist. |
| Hermeneutischer Zirkel | Der Hermeneutische Zirkel beschreibt eine theoretische Abfolge des Denkens, das aus verschiedenen Verständnisebenen besteht. Die Grundregel besagt, dass vom Einzelnen auf das Ganze geschlossen werden kann und umgekehrt. |
| Cyberchondrie | Auch Morbus Google genannt. Das Wort Cyberchondrie setzt sich aus Cyper und Hypochondrie zusammen. Beschrieben wird das PÜhänomen, dass die unwissentliche Recherche nach Krankheitssymptomen erehr zu (psychischen) Erkrankugen führt als zur Heilung der recherchierten Krankheit. |
| Restorative Mediation | Der Begriff wird unscharf verwendet. Er bezeichnet zwar eine Mediation, legt aber nicht offen, was genau der Unterschied zu einer normalen Mediation ist. Das Angebot findet sich in Amerika, wo restorative Conferencing und Mediation als separate Verfahren angeboten werden. Die Kombination der Begriffe restorative und Mediation deutet wohl nur auf das Portfolio hin, ohne dass damit eine besondere Art der Mediation beschrieben wird. |
| Kreisgespräche | Deutsche Übersetzung für Restorative Circles. Die Gesprächskreise versuchen eine Konfliktbeilegung auf gleicher Augenhöhe nach Dominic Barter. Dabei geht es um ein der Mediation angelehntes Vorgehen mit einer Gemeinschaftsbeteiligung. |
| restorative Circles | Restorative Circles versuchen eine Konfliktverwandlung auf gleicher Augenhöhe nach Dominic Barter. Dabei geht es um ein der Mediation angelehntes Vorgehen, jedoch ohne einen Mediator. Auf den wird aus Kostengründen verzichtet. |
| reflective Mediation | Mit diesem Begriff soll wohl nur darauf hingedeutet werden, dass die Mediation einen reflektiven Umgang mit Konflikten zur Verfügung stellt, der einem aggressiven Verhandeln vorzuziehen ist. |
| Encounter Groups | In der humanistischen Bewegung ist eine Begegnungsgruppe eine Form der Gruppentherapie, die auf dem Vertrauen in den Selbstentwicklungsprozess, gegenseitige Anerkennung und der persönlichen Begegnung basiert. |
| Rechtsstreit | Der Rechtsstreit unterscheidet sich von einem (anderen) Streit insofern, als er sich nur auf gesetzliche Tatbestände erstreckt. Ein Streit über ein Tatbestandsmerkmal, das in einer Rechtsvorschrift nicht vorgesehen ist, ist juristisch deshalb irrelevant. |
| Streitanalyse | Bei der Streitanalyse geht es lediglich um die Ermittlung der beweisbedürftigen Tatsachen. Der Streit wird jetzt allerdings nur im juristischen Sinn verstanden. Er beschränkt sich auf die bestrittenen Tatbestandsmerkmale einer Vorschrift. Das streitige Vorbringen wird mit der Relationstechnik ermittelt. |
| VUCA | VUCA ist ein Akronym für die stressbildenden Faktoren:
Mit VUCA werden auch Merkmale der modernen Welt beschrieben. Die positive Umformulierung findet sich im folgenden Akronym:
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| Relationstechnik | Juristische Methode zur Ermittlung streitiger Tatsachen(-vorträge). |
| Realitätsverlust | Ein geistiger Zustand, in dem Menschen die Situation in der sie sich befinden nicht mehr so erfassen können, wie es den Tatsachen entspricht. |
| Ausweg finden | Es kommt vor, dass man sich in einer bizarren Gedankenwelt wiederfindet, von wo es keinen Ausweg zu geben scheint. Das ist z.B. bei Verschwörungstheoretikern, Querdenkern oder in anderen Fällen denkbar, wo sich die Parteien in ein mit der Realität nicht mehr übereinstimmendes, gedankliches Konstrukt zurückgezogen haben. Der Ausweg aus dieser Welt muss innerhalb des gedanklichen Konstruktes gefunden werden. Die Mediation gibt auch dafür eine Hilfestellung. |
| Rabbit Hole | Der Begriff wird synonym für "vom Hölzchen aufs Stöckchen kommend" verwendet. Er wird in der Internetwelt verwendet, um das Phänomen zu beschreiben, dass und wie User auf der Site oder im Thema gehalten werden. Es entsteht eine Verdichtung von Informationen, die sogar in einer Verschwörungstheorie enden kann. |
| Methodenparcours | Die Methoden der Mediation sind nach der hier vorgestellten Systematik enumerativ aufzuzählen. Im Grunde entspricht jede Methode einer Phase (oder einem Phasenabschnitt). Der Methodenparcours ermöglicht es, die Methoden Methode für Methode nachzulesen und kennenzulernen. |
| System | Ein System ist ein aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes. Nach der Systemtheorie besteht das System nicht aus seinen Elementen, sondern aus den Relationen der Elemente zueinander. |
| Mediationsebenen | Zusammenstellung aller Ebenen, auf die sich die Mediation einlassen kann und muss und auf denen sie abläuft. |
| Systematikenverzeichnis | Verzeichnis und Zusammenstellung der für die Mediation einschlägigen Systematiken. |
| Werkzeugsystematik | Erläuterung des systematischen Zusammenhangs der Mediationswerkzeuge. Grundlegende Werkzeuge im im weiten Verständnis sind: Das Verfahren, die Methoden und die Techniken bzw. die Interventionen. Interventionen fallen in die Kategorie Techniken. Techniken sind Werkzeuge im engen Sinn. Die Kenntnis der Werkzeugsystematik gehört zum Grundwissen des Mediators, weil sie ein wichtiges Hilfsmittel zur korrekten Durchführung der Mediation liefert und für ihre Konsistenz verantwortlich ist. |
| Verfahrenssystematik | Systematische Erfassung und Gegenüberstellung der Streit- und Konfliktbeilegungsverfahren. |
| Mediationssystematik | Systematische Einordnung der verschiedenen Erscheinungsformen der Mediation. |
| Ebenensystematik | Auch wenn die Systematik von der Systemik zu unterscheiden ist, ergibt die Untersuchung der systemischen Zusammenhänge in der Mediation wieder eine Ordnung, die auch systematisch erfasst werden kann. Sie deckt die unterschiedlichen Ebenen auf, auf denen die Mediation abläuft. Die Ebenensystematik sall dafür ein Bewusstsein schaffen. |
| Erkenntnispsychologie | Die Erkenntnispsychologie ist von der Erkenntnislogik abzugrenzen. Während die Erkenntnislogik den rationalen Erkenntinisvorgang beschreibt, befasst sich die Erkenntnispsychologie mit den menschlichen Unzulänglichkeiten beim Erkenntnisprozess. |
| Kommunikationsbotschaften | Mit dem Begriff werden die (indirekten) Botschaften der unterschiedlichen Kommunikationsaspekte wie dem Selbstoffenbarungs- und dem Beziehungsaspekt angesprochen. Der Oberbegriff umfasst deshalb die Ich-Botschaften, die Du-Botschaften und die Wir-Botschaften. |
| Appel | Das ist in dem Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun die an den Anderen gerichtete Botschaft. Sie steht der Ich-Botschaft gegenüber und ist als eine Du-Botschaft zu verstehen. Der Appell unterscheidet sich davon. Er drückt aus, wozu die andere Seite veranlassen werden soll. |
| Reifeprozesse | Ein Reifeprozess beschreibt einen Wachstumsvorgang bis zur vollständigen Entwicklung. In der Mediation gibt es mehrere Reifeprozesse, die der Mediator nicht nur im Auge haben, sondern auch beeinflussen sollte. Die Reifeprozesse betreffen die Entscheidung, die Mediation, die Strategie, den Konflikt usw. Der Mediator sollte sie kennen, um den richtigen Moment für Entscheidungen und Veränderungen abpassen zu können. |
| Strategiereife | Die Konfliktreife geht mit einer strategischen Reife einher. Die strategische Reife lässt sich anhand der Theorie zur Konfliktevolution von Schwarz bestimmen. Demnach wechseln Parteien ihre Strategie erst, wenn eine andere Strategie ihnen größere Vorteile verspricht. Das strategische Verhalten geht mit der Konflikteskalation einher, wo nicht nur strategische Argumente ausschlaggebend sind. |
| Entscheidungsmoment | Der Moment, in dem eine Entscheidung getroffen wir oder getroffen werden sollte. Der Moment hat einen entscheidenden Einfluss auf das Gelingen. Er ist in der Mediation von verschiedenen, aufeinander einwirkenden Reifeprozessen abhängig. |
| Etymologie Mediation | Die Etymologie setzt sich mit der Herkunft und Geschichte eines Wortes und seiner Bedeutung auseinander. Nach Duss-von-Werdt geht der Begriff Mediation auf den lateinischen Wortstamm medeor, mederi, heilen, ganz machen, zurück. |
| Themenauswahl | Die Themenauswahl verdeutlicht, dass die Phase zwei alle relevanten Themen sammelt aber nicht notwendigerweise alle Themen in das Gespräch einführt. Als ausgewählt gelten die Themen, denen beide (alle) Parteien zustimmen. |
| Themenzustimmung einholen | Die Themenzustimmung bezeichnet die Erlaubnis der Parteien über einen in der zweiten Phase herausgearbeitetes Thema zu sprechen. Das erlaubte Thema definiert den Mediationsgegenstand. |
| Priorisierung | Festlegung der Themenfolge, wenn mehrere Themen angegeben werden. Wenn die Themen Konflikte repräsentieren, spiegeln sie die Konfliktdimensionen, sodass sich aus der Themenstellung die Unterscheidung zwischenProblem (Sachkonflikt) und den tiefergehenden Konflikten mit Konflikten (Beziehungskonflikt, Wertekonflikt) ergeben. Sie bilden meist den Kontext, in dem das Problem aufkommt, sodass es sinnvoll ist, mit diesen Themen zu beginnen. In der Praxis ist jedoch anzuraten, mit dem Thema zu beginnen, mit dem die leichteste Lösung möglich ist und wo die Parteien den leichtesten Zugang finden. |
| Zusammenfassen | Siehe Zusammenfassung |
| Zusammenfassung | Die Zusammenfassung ist eine wirkungsvolle Technik. Es kommt darauf an den Gedankengang zusammenzufassen. Ideal ist es wenn die Zusammenfassung den gedanklichen Weg beschreibt, den die Parteien bis dahin zurückgelegt haben und lediglich die Gedanken hervorhebt, die auf dem Weg liegen und zu beachten sind. |
Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen