Die Sprache der Mediationsschulen

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
ErkenntnisprozessDie Mediation stellt insofern einen Erkenntnisprozess dar, als sie den Parteien zu Erkenntnissen verhelfen soll, die sie befähigen, selbst eine (andere) Lösung zu finden.
Übertragung

Es handelt sich um ein von Freud aufgedecktes und so bezeichnetes Phänomen, das bei Kontakten zwischen Menschen auftreten kann. Die Übertragung reaktiviert alte, meist frühkindliche Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, mit der alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen wiedererlebt werden.

Balint-GruppenDie Balint-Gruppen sind eine Form der kollegialen Beratung und vielleicht auch ihr Ursprung. Die Methode wurde nach Michael Balint benannt. Sie war für Ärzte und Mediziner entwickelt worden. Der Austausch unter Kollegen in der Psychiatrie sollte insbesondere helfen, so genannte Übertragungsphänomene zu erkennen und zu untersuchen.
kollegiale BeratungDie kollegiale Beratung wird auch Intervision genannt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass eine Gruppe (von Kollegen) die beruflichen Probleme gemeinsam bespricht und reflektiert. Im Mittelpunkt steht eine strukturierte und aufeinander abgestimmte Herangehensweise, wobei die beratenden Elemente seitens der Kollegen reihum moderiert werden.
MediationsstatistikEine Statistik über die Mediation ist sowohl für das Qualitätsmanagement des Mediators wie für Fragen zur Implementierung und Vermarktung der Mediation von Bedeutung. Deshalb werden individuelle und ökonomische Statistiken geführt. Zumindest die ökonomischen Statistiken haben nur eine bedingte Aussagekraft.
MediationsmanagementMit dem Begriff Mediationsmanagement werden der Bedarf und die Möglichkeit für ein zielgerichtetes und nach ökonomischen Prinzipien ausgerichtetes menschliches Handeln sowie der Bedarf nach Organisation und Planung ausgedrückt und beschrieben.
ThemenportaleDie Themenportale im Thinktank Mediation entsprechen den Kapiteln des Mediationshandbuchs. Die über die Entwicklungsjahre gewachsene Gliederung des Handbuchs bildet die Thematik der Mediation vollständig ab. Deshalb liegt es nahe, die Kapitel der Buchabschnitte auch als Landingpages für die Thematik der Mediation generell zu nutzten und die gesamten Inhalte des Portals auf diese Gliederung abzustimmen.
RückfallMit einem Rückfall oder einem Rückschlag wird ein erneutes Auftreten einer scheinbar überstandenen Situation oder Lage beschrieben. In der Mediation sind zwei Fallgestaltungen zu unterscheiden: Es kommt zu einem Rückfall während der Mediation oder es kommt zu einem Rückfall nach der Mediation.
kollektiver EntscheidungsprozessVon einem kollektiven Entscheidungsprozess ist die Rede, wenn an der Entscheidungsfindung mehrere Personen beteiligt werden und wenn die Entscheidung von allen gemeinsam getragen wird. .
Rückfallgefahr abwendenDie Mediation ist ein verstandesorientierter Weg. Der Verstand kapiert schnell. Die Emotionen nicht. Die Gewohnheiten stehen im Wege. Es gibt also Rückfallgefahren in und nach der Mediation. In der Mediation, weil die Parteien wieder in die Konfrontation verfallen. Nach der Mediation, weil sie in alte Gewohnheiten zurückfallen. Es gibt Möglichkeiten in der Mediation, der Rückfallgefahr zu begegnen.
WerbeverhaltenDas Werbeverhalten beschreibt die Herangehensweise bei dem Angebot der Mediation als Dienstleistung. Es gibt markante Auffälligkeiten, die der Vermarktung der Mediation im Wege stehen.
TransdisziplinaritätÜber die Interdisziplinarität hinausgehende Verknüpfung der Disziplinen.
MovierungDas ist ein Begriff der Gendersprache. Er beschreibt aus grammatikalischer Sicht, wann und warum die männliche oder weibliche Form eines Begriffs zu verwenden ist.
AngelegenheitSiehe Sache
SacheEine Sache ist ein Ding. Sie ist aber auch der Gegenstand auf den sich ein Vorgang bezieht. Bei nichtmateriellen Gegenständen ist der Begriff der Angelegenheit zutreffender. Trotzdem verwendet der Gesetzgeber den Begriff der Sache im §3 Mediationsgesetz. Es kommt die Assoziation einer Streitsache oder einer Rechtsangelegenheit auf. Das ist schon deshalb irreführend, weil es in der Mediation um einen Konflikt und nicht um eine Sache geht.
BearbeitungsgegenstandEin Gegenstand ist einerseits ein Ding und andererseits ein Objekt des Bewusstseins. Mit dem Begriff Bearbeitungsgegenstand wird in der Mediation deutlich gemacht, worauf sich der Mediator zu konzentrieren hat. Der Bearbeitungsgegenstand ist vom Mediationsgegenstand zu unterscheiden.
SubsumtionEine juristische Methode zum Vergleich eines (realen) Sachverhaltes mit einer Norm (normierter Sachverhalt)
DienstleistungsqualitätDie Dienstleistungsqualität ist ein Bestandteil der Mediationsqualität. Sie erweitert die Qualitätsmaßstäbe des Verfahrens um einen Maßstab zur Kontrolle und Optimierung der Dienstleistung, die das Verfahren anbietet.
Soft SkillsDer aus dem Englischen stammende Begriff spricht die "weichen Fähigkeiten" an. Damit werden die auf die Person, nicht auf das Fachwissen zurückzuführenden Fähigkeiten beschrieben. Angesprochen werden persönliche, soziale und methodische Kompetenzen. Soft Skills werden auch als überfachliche Qualifikation bezeichnet, wodurch sie sich zu den Hard Skills, also den fachlichen Fähigkeiten abgrenzen.
MediationspuzzleDie Mediation kann mit einem Puzzlespiel verglichen werden. Sie weist ähnliche Spieleigenschaften auf. Es gibt nur einen Gewinn und keine Gewinner, alle Informationen fügen sich wie Puzzlesteine zusammen, sodass die korrekte Einordnung zur Vervollständigung des Bildes führt und die Lösung erkennbar wird.
MenschenrechteRechte, die sich aus der Würde des Menschen herleiten und begründen lassen. Menschenrechte sind unveräußerlich, unteilbar und unverzichtbar. Sie stehen allen Menschen zu, unabhängig davon, wo sie leben und unabhängig davon, wie sie leben.
MenschenrechtsmediationDas LkSG (Lieferketten­sorgfaltspflichtengesetz) sieht in §8 vor, dass über Menschenrechtsverletzungen ein Verfahren der einvernehmlichen Streitbeilegung durchgeführt werden kann. Es wird nicht genau gesagt, was das für ein Verfahren ist. Eine Mediation ist jedoch möglich.
StreitdimensionenDamit sind die Dimensionen des Streitkontinuums gemeint, nämlich: Fakten / Emotionen und Beziehungen bzw. Positionen / Interessen und Bedürfnisse sowie gegebenenfalls die Zeit. Die Qualität der Verfahren zur Konfliktbeilegung kann daran gemessen werden, ob und wie sich die Verfahren auf die Streitdimensionen einlassen. Die Streitdimensionen finden sich in den Konfliktdimensionen wieder.
VerfahrensdienstleistungDie originäre Dienstleistung des Mediators ist eine Verfahrensdienstleistung. Sie ist auf die Durchführung des Verfahrens der Mediation beschränkt.
mediative VerhandlungDie Mediation lässt sich auf die Verhandlungstheorie zurückführen und geht darüber hinaus, wenn der Erkenntnisprozess in den Vordergrund gestellt wird. Um diese Abweichung herauszustellen, könnte und sollte die mediative Verhandlung als ein eigenwilliges Verhandlungskonzept beschrieben werden.
Technologie MediationVermittlung zwischen Entwicklern und Nutzern im internationalen Transfer von Umwelttechnologien zur Steigerung der Effizienz bei der technischen Unterstützung.
VerfahrensstrukturvergleichDie Leistungsfähigkeit wird in Erkenntnisschritte unterteilt, die sich an den Phasen der Mediation orientieren. Wenn davon ausgegangen wird, dass die Mediation alle Erkenntnisschritte vorhält, die zu einer einvernehmlichen Lösung führen, bildet sie den Maßstab, an dem andere Verfahren zu messen sind.
BauchgehirnDas Gehirn, wie wir es heute kennen, ist im Laufe einer langen Evolution entstanden. Etwa 100 Millionen Zellen im menschlichen Gedärm sind denen im Gehirn verblüffend ähnlich und produzieren vergleichbare Substanzen. Sie bilden ein zweites Nervenzentrum, das wie ein kleines Hirn im Bauch weitgehend autonom funktioniert. Dieses Zentrum wird auch als Bauchgehirn (Bauchhirn) bezeichnet. Es ist für unser Bauchgefühl zumindest auch zuständig.
BauchgefühlIntuition als emotionale, nicht vom Verstand geprägte Einschätzung.
one-party-Mediation Siehe Einzelmediation
EinzelmediationDer Begriff wird unterschiedlich verwendet. Er bezieht sich zum einen auf die Zahl der Mediatoren. Dann ist die Einzelmediation eine Mediation, die nur mit einem Mediator durchgeführt wird. Der Begriff wird aber auch verwendet, wenn die Mediation nur eine Partei betrifft. Sie ist von der Stellvertretermediation abzugrenzen. Es dürfte sich dabei jedoch nicht um eine Mediation i.S.d Mediationsgesetzes handeln.
DenkweltenDie Denk- oder Gedankenwelten der Mediation beschreiben die unterschiedlichen gedanklichen Räume, die die Medianden während einer Mediation zu durchlaufen haben. Unterschieden werden die kaputte Welt, die heile Welt und die reale Welt.
EmanzipationDer Begriff geht auf einen lateinischen Ursprung zurück, der sich aus den Wortteilen "e" = aus, "manus" = Hand und "capere" = nehmen zusammensetzt. Mit dem aus der Hand nehmen wird eine Verselbständigung beschrieben, die es dem Individuum erlaubt, eine eigene Dynamik der Lebensgestaltung sowie der Lebensplanung zu entwickeln. Die Emanzipation spielt in vielen Beziehungskonflikten eine Rolle. Sie ist deshalb ein Prozess, der in der Mediation Beachtung findet.
WatchlistDer Begriff stammt aus dem englischen und wird wörtlich ins Deutsche übernommen. Er meint eine Liste, in der Beobachtungen zusammengeführt werden. Im Bereich der Mediation wurde der Begriff eingeführt, um die Gesetze zu beobachten und um herauszufinden, ob und wo ein Änderungsbedarf besteht.
Syreli-VerfahrenDie Bezeichnung steht für Système de Résolution de Litiges. Das bedeutet übersetzt Streitschlichtungsverfahren. Das Verfahren wurde von der französischen Domain-Registrierungsstelle AFNIC (Association française pour le nommage internet en coopération) im Jahr 2011 nach dem Vorbild der Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP) der ICANN geschaffen. Es kann verwendet werden, wenn die Schutz- oder Namensrechte durch eine französische Internetdomain verletzt werden.
transzendente Werkzeuge

Transzendente Werkzeuge bilden den Gegensatz zu den immanenten Werkzeugen. Gemeint sind alle Hilfsmittel, die über die Mediation hinausgehen und dazu beitragen, die Mediation zu verwirklichen. Im Vordergrund stehen die Interventionen, also Eingriffe, die erforderlich sind, damit sich die Parteien auf den durch immanente Werkzeuge realisierten Gedankengang der Mediation einlassen können.

immanente WerkzeugeDie immanenten Werkzeuge sind die der Mediation innewohnenden Werkzeuge, also alle Werkzeuge, die den Gedankengang der Mediation verwirklichen.
MediationsanalyseDie Mediationsanalyse dient zur Identifikation eines Prozesses (Vorgehens) als Mediation. Die Prozessanalyse (oder Mediationsanalyse) hilft dem Mediator dabei, sich im Prozess der Mediation zu bewegen und die anstehenden, prozessrelevanten Fragen zu beantworten.
MediatoranalyseDer Begriff wird in der Statistik verwendet und bezeichnet eine Spezialform der multiplen Regression. Mit der Einführung einer dritten Variablen soll der Zusammenhang zwischen einer unabhängigen und einer abhängigen Variable aufgedeckt werden.
InterprofessionalitätDer Begriff wird unscharf verwendet. Im Zusammenhang mit der Mediation bedeutet er zum einen, dass Fachleute aus unterschiedlichen Professionen eng aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten. Zum anderen bedeutet er aber auch, dass Leistungen anderer Berufe in die Mediation integriert werden.
3er-Schritt der WahrnehmungSiehe Dreierschritt der Wahrnehmung
3er-Schritt der EntscheidungSiehe Dreierschritt der Entscheidung
Wirkfaktoren der MediationDamit werden die Elemente der Mediation zusammengefasst und gekennzeichnet, die zum Gelingen der Mediation beitragen. Die Wirkfaktoren sind von den funktionalen Einheiten abzugrenzen, die letztlich auch Elemente beschreiben, die zum Gelingen der Mediation beitragen.
LehrlingsmediationIm österreichischen § 15a Berufsausbildungsgesetz ist zwingend eine Mediation durchzuführen, wenn ein Lehrberechtigter die außerordentliche Lösung eines Lehrverhältnisses in Erwägung zieht. Die Mediation soll es den Beteiligten ermöglichen, für ihre Konflikte unter Begleitung eines fachkundigen Mediators selbst eine Lösung zu finden. In die Mediation sind der Lehrberechtigte, der Lehrling (bei Minderjährigkeit auch der gesetzliche Vertreter) und auf Verlangen des Lehrlings eine Person seines Vertrauens einzubeziehen. Es muss mindestens eine Mediationssitzung geben. Das Verfahren endet dann durch Zeitablauf spätestens mit Beginn des fünften Werktages vor Ablauf des 11. bzw. 23. Lehrmonats.
6-Schritte ReframingSiehe Six-Step-Reframing
Six Step ReframingDas Six-Step-Reframing ist ein NLP-Interventionsmodell. Sein Ziel ist die Veränderung von Verhaltensgewohnheiten, die in sechs Schritten herbeigeführt wird. Im Mittelpunkt steht die Trennung von Verhalten und positiver Absicht.
Legal CoachingEs handelt sich um eine spezielle Intervention im juristischen Beratungsmandat. Sie soll dem Mandanten helfen, für sich zu entscheiden, welches juristische Ziel und Ergebnis verfolgt werden soll.
Mediation und PolitikSpannungsfeld zwischen der Mediation und der Politik. Sie unterscheidet zwischen der Mediationspolitik (wie die Ziele der Mediation politisch umgesetzt werden) und der Politikmediation (Anwendung der Mediation bei politischen Konflikten oder Konflikten im politischen Umfeld).
MediationspolitikPolitik der Mediation bzw. Politik, mit der sich die Ziele der Mediation verwirklichen lassen.
PolitikmediationMediation im Anwendungsfeld Politik.

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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