Gedankenwelten
Eine logische Verknüpfung erfolgt mit der Themenseite Gedankengang, die eine Unterseite zum Kapitel Mediationsverständnis im Abschnitt Mediation des Fachbuchs Mediation darstellt.
Wer sich auf die Mediation einlässt, durchwandert verschiedene Gedankenwelten und Denkmuster. Der durch die Medition abgebildete Erkenntnisweg lenkt die Gedanken nicht in das Problem hinein, sondern führt sie um das Problem herum.1 So wird sichergestellt, dass sich die Gedanken nicht in dem Problem verlieren können oder vom Problem gefangen gehalten werden.
Das gedankliche Konzept
Das Konzept geht auf die Erkenntnis von Albert Einstein zurück, der sagte, dass das Denken, das in ein Problem hineinführt, nicht aus dem Problem herausführen kann.2 Dazu ein Beispiel:
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Was so leicht klingt, ist herausfordernd. Fragen Sie die Kriegspartei im ersten Beispiel danach, wie eine Freundschaft möglich ist, wird sie Sie für verrückt erklären und den Gedanken gar nicht an sich heranlassen, dass so etwas möglich sein könnte. Auch der Perspektivwechsel bei der Frage nach Grund für die Wut im zweiten Beispiel dürfte auf Widerstand stoßen. So etwas ist möglich, wenn kein Konflikt und keine Beeinträchtigung vorliegen. Um die Gedanken dennoch über das Problem hinweglenken zu können, bietet die lösungsorientierte Kurztherapie einen gedanklichen Weg an, den zumindest die integrierte Mediation wie nachfolgend beschrieben adaptiert hat. Es ist der Weg durch verschiedene assoziative Welten.
Die assoziierten Welten
Besonders dann, wenn Sie die Mediation als einen Kognitionsprozess begreifen,3 erkennen sie unterschiedliche gedankliche Räume, die der Mediator zusammen mit den Medianden während einer Mediation durchschreitet. Die Gedankenräume lassen sich wie folgt identifizieren:
- Die kaputte Welt
- Die heile Welt
- Die reale Welt
Der Weg durch die assoziativen Welten spiegelt sich in den Phasen 2,3 und 4. Er kann optisch wie folgt visualisiert werden:
Die kaputte Welt
Dieser Welt begegnen wir in der zweiten Phase. Die Parteien werden aufgefordert ihr Problem zu schildern und die zu lösende Frage. Die Parteien schildern ihr aktuelles Erleben, also eine Situation, die sie ganz und gar nicht für in Ordnung halten. Es ist die kaputte Welt, die Welt, die repariert werden muss. In ihr können sich die Parteien sehr gut aus. Die kaputte Welt entspricht ihrem aktuellen Erleben und ist spürbar für sie. Für den Mediator genügt es, die kaputte Welt kennen zu lernen. Er muss nicht näher darauf eingehen, aber er muss sie zur Kenntnis nehmen, denn es ist die Welt, wo er die Parteien abholen kann.
In der kaputten Welt dominiert das konträre Denken.
Die kaputte Welt basiert auf dem Gegensatz.
Die heile Welt
Dieser Welt begegnen wir in der dritten Phase. Die Parteien werden aufgefordert, Den in Interessen verkappten, erwarteten Nutzen zu beschreiben. Gedanklich bewegen wir uns also in einer Welt hinein, die den Zustand nach der Konfliktüberwindung beschreibt. Wir bewegen uns in einer heilen Welt, die über die Frage ausgelöst wird: "Wie fühlt es sich an, wenn alles (wieder) in Ordnung ist?". Möglicherweise wird es den Parteien immer noch schwer fallen, diese heile Welt zu beschreiben. Eine typische Reaktion ist: "Ja aber das geht ja doch nicht!". Schon die Frage: " was soll denn funktionieren?", Verändert den gedanklichen Fokus. Die heile Welt bildet immer den Kontrast zur kaputten Welt. In ihr finden sich Anhaltspunkte dafür, wo Reparationen erforderlich sind.
In der heilen Welt dominiert das parallele Denken.
Die heile Welt basiert auf den Gemeinsamkeiten.
Die reale Welt
Wir sind uns im Klaren darüber, dass die heile Welt eine Imagination ist. Sie existiert ja noch nicht. Sie soll ja erst hergestellt werden. In der realen Welt überlegt der Mediator deshalb mit den Parteien, wie die als heil beschriebene Welt zu realisieren ist.
In der realen Welt dominiert das kreative Denken.
Die reale Welt basiert auf den Möglichkeiten.
Die verwendeten Denkmuster
Die Mediation kann ganz unterschiedliche Denkmuster aufnehmen auch solche, die nicht ohne weiteres kompatibel sind. Die Kombination gelingt, wenn die Denkmuster sequenziell miteinander verknüpft werden. Die Mediation verändert ihre Denkweise von der Logik, mit der in Phase zwei der Widerspruch aufgedeckt wird in zur Dialektik, die den Widerspruch als These und Antithese formuliert, um in Phase fiel daraus eine Synthese zu bilden. Danach wechselt der Denkmodus wieder in die Logik hinein, um zu prüfen ob die gefundene Lösung der Realität standhält.
Bedeutung für die Mediation
Die Mediation ist ein vernunftbasiertes Verfahren es ist der Verstand, der die Lösung herbeiführt und der Rhythmus der Mediation der das herbeiführen ermöglicht. Die Gedankenräume bilden gedankliche Selektionen, die aus einem konträren Denken heraus in ein paralleles Denken hinein führen. Der mit jedem Raum veränderte Fokus verändert auch die Wahrnehmung. Dadurch dass die heile Welt isoliert dargestellt wird, können die Lösungskriterien unabhängig von den Lösungen gesammelt werden.
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