Auswahlhilfe
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Zum Thema » 3 Schritte und alle drehen sich um Sie. Jeder Konflikt ist ein Stück Selbstverwirklichung.
Ausgangslage
Bevor Sie sich für eine professionelle Konflikthilfe entscheiden können, muss zunächst in etwa klar sein, welches Verfahren und welche grundsätzliche Strategie für Ihren Konflikt geeignet sind.
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In früheren Zeiten hätte man für diese Entscheidung vielleicht den Pfarrer, die Großmutter oder eine andere erfahrene Person aus dem Umfeld befragt – Menschen, die Lebenserfahrung haben und keinen Eigennutz am Ausgang des Konflikts oder am gewählten Vorgehen verfolgen. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Suche nach Unterstützung im Freundes- oder Familienkreis auch heute noch die naheliegendste und häufigste Strategie der Konfliktbewältigung ist.1 Das ist grundsätzlich sinnvoll. Noch hilfreicher ist es jedoch, sich bewusst zu machen, warum man gerade diese Person auswählt und welche Art von Unterstützung man von ihr erwartet.
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Das Beispiel verdeutlicht, dass bereits die Wahl des Ratgebers Einfluss auf den weiteren Verlauf der Konfliktbearbeitung nimmt. Sie zeigt oft, welche Formen von Unterstützung Ihnen vertraut sind und welche Art von Konfliktbearbeitung sich für Sie stimmig anfühlt. Es erleichtert den weiteren Weg, wenn Sie sich diese implizite Vorentscheidung bewusst machen:
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Die wirksamste Konfliktbewältigung ist in der Regel diejenige, die man selbst leisten kann. Da Freunde, Verwandte oder andere Vertrauenspersonen dabei häufig eine wichtige Rolle spielen, bietet das Wiki eigene Startseiten für diese Zielgruppe an. Sie helfen Unterstützern dabei zu verstehen, wie sie sinnvoll begleiten können, ohne selbst Teil des Konflikts zu werden.
Der Weg in die professionelle Unterstützung
Die – häufig unbewusst getroffene – Grundentscheidung aus dem vorherigen Beispiel setzt sich fort, wenn professionelle Unterstützung in Anspruch genommen wird. Auch hier prägen Vorerfahrungen, Erwartungen und vertraute Rollenbilder die Auswahl.
Vorsicht mit der Verfahrenswahl
Die Wahl des Verfahrens ist meistend der erste Schritt zur professionellen Konfliktbewältigung. Wenn Sie die Ursache beim Gegner suchen, gehen Sie eher zum Anwalt. Wenn Sie sie bei sich suichen, gehen Sie zum Therapeuten. Was so platt gesagt ist, will darauf hindeuten, dass Sie zunächst zumindest eine grobe Vorstellung davon benötigen, welches Verfahren für Ihren Konflikt geeignet ist.
Ganz gleich an welchen Konfliktdienstleister Sie sich wenden. Sie müssen damit rechnen, dass er diejenigen Verfahren empfiehlt, in denen er selbst ausgebildet wurde und mit denen er selbst vornehmlich arbeitet.2 Ein Psychologe wird den Weg in ein therapeutisches Verfahren finden, ein Rechtsanwalt in ein juristisches. In dieser Situation schreibt sich Ihr anfängliches Gefühl fest, wohin Sie sich wenden, auch wenn das Gefühl den falschen Weg weist.
Die Notwendigkeit einer Konfliktanalyse
Wo ein unabhängiges Clearingverfahren fehlt, das den Weg in die optimale Konfliktbeilegung ermitteln würde, müssen die angefragten Konfliktdienstleister ihre Zuständigkeit selbst unter den für das Clearing geltenden Kriterien prüfen. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, den Konflikt (nicht das Problem) unvoreingenommen zu betrachten und eine fundierte Konfliktanalyse vorzunehmen. Diese dient dazu, Konfliktursachen von Symptomen zu unterscheiden, den zentralen Konfliktmotor zu erkennen und einzuschätzen, ob und wie dieser im jeweiligen Verfahren bearbeitet werden kann.
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Erst die Konfliktanalyse ermöglicht die gebotene Einschätzung des Konfliktes.
Sie ist erforderlich, um nahezu alle Verfahrensentscheidungen zu treffen.
Die beste Gelegenheit für eine Konfliktanalyse wäre ein sogenanntes Clearingverfahren. Wiki to Yes versucht diesen Service kostenfrei abzubilden. Ohne eine Clearinginstanz murr der jeweilige Dienstleister die Auseinandersetzung mit dem Konflikt jeweils selbst durchführen. Vergewissern Sie sich, dass er es tut.
Festlegung der Bearbeitungstiefe
Eine Konfliktanalyse gibt nicht nur Auskunft darüber, worum es geht, sondern auch darüber, wie tief der Konflikt bearbeitet werden muss. Das ist die erste wichtige Entscheidung. Sie betrifft die Auswahl des passenden Konfliktbeilegungsverfahren.
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Das Problem ist meist nur an der Oberfläche. Um den Konflikt beizulegen oder gar zu bewältigen bedarf es oft mehr als eine Klärung der Rechtslage. Starke emotionale Betroffenheit weist darauf hin, dass eine rein sachliche Bearbeitung nicht ausreicht. Der Konfliktdienstleister sollte in der Lage sein, sich auf die Emotionen, die Interessen und Bedürfnisse einzulassen, um eine vollständige Konfliktbeilegung zu erzielen.
Bearbeitungstiefe Streitkontinuum
Die persönliche Wahl
Rollenverständnis und Unabhängigkeit
Ein zentrales Auswahlkriterium ist das Rollenverständnis des Dienstleisters. Nicht alle Mediator:innen, Anwält:innen oder Therapeut:innen arbeiten mit demselben Selbstverständnis. Manche vertreten einseitig Interessen, andere strukturieren Prozesse oder stellen einen neutralen Rahmen bereit. Für Sie ist entscheidend zu erkennen, welche Verantwortung der Dienstleister übernimmt – und welche bei Ihnen verbleibt.
Jede professionelle Bearbeitung erfordert eine professionelle Distanz. Vorsicht ist deshalb geboten, wenn der Dienstleister (egel um welche Dienstleistung es sich handelt) Ihre Emotionen übernimmt. Er soll sie verstehen, nicht teilen. Wenn er die Distanz verliert, verliert er zugleich den Überblick. Eng damit verbunden ist die Frage der Unabhängigkeit. Professionelle Konflikthilfe setzt voraus, dass kein eigenes Interesse am Ausgang oder an der Dauer des Verfahrens besteht. Ein Warnsignal kann es sein, wenn frühzeitig auf eine bestimmte Lösung oder ein einziges Vorgehen festgelegt wird oder andere Verfahren pauschal abgewertet werden.
Erfahrung, Arbeitsweise und Passung
Erfahrung mit vergleichbaren Konflikten kann hilfreich sein, ist jedoch weniger entscheidend als Reflexionsfähigkeit und Offenheit. Unterschiedliche Konfliktfelder folgen unterschiedlichen Dynamiken. Fragen Sie nach, wie mit Eskalationen, Machtungleichgewichten oder starken Emotionen umgegangen wird.
Ebenso wichtig ist die persönliche Passung. Manche Menschen benötigen klare Struktur, andere mehr Raum zur Reflexion. Ein Erstgespräch dient daher nicht nur der inhaltlichen Klärung, sondern auch dazu, zu prüfen, ob Vertrauen entstehen kann. Vertrauen bedeutet dabei nicht Zustimmung, sondern das Gefühl, fair behandelt und ernst genommen zu werden.
Kosten und Nutzenabwägung
Zur Auswahlentscheidung gehört schließlich eine realistische Abwägung von Kosten und erwartetem Nutzen. Seriöse Konfliktdienstleister können keine Ergebnisse garantieren, wohl aber transparent benennen, welchen Nutzen ihr Vorgehen haben kann und unter welchen Voraussetzungen ein Abbruch sinnvoll ist. Scheuen Sie sich nicht, Angebote zu vergleichen oder eine zweite Einschätzung einzuholen.
Auswahl als Teil der Konfliktbearbeitung
Die Auswahl eines Konfliktdienstleisters ist selbst bereits Teil der Konfliktbearbeitung. Mit ihr entscheiden Sie, welchen Weg Sie einschlagen, wie viel Eigenverantwortung Sie übernehmen und welche Form der Unterstützung Sie zulassen. Eine bewusste Auswahl erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Verfahren und Person zu Ihnen und Ihrem Anliegen passen.
Am Ende dieser Seite finden Sie eine Checkliste mit konkreten Fragen für das Erstgespräch, die Ihnen hilft, Ihre Eindrücke zu ordnen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Fragen an den Konfliktdienstleister
Bedeutung für die Mediation
Für die Mediation ist die bewusste Auswahl besonders bedeutsam, da sie auf Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und Allparteilichkeit beruht. Mediation funktioniert nur dann, wenn die Beteiligten den Mediator nicht als Entscheider, Vertreter oder Problemlöser verstehen, sondern als Gestalter eines strukturierten Rahmens, in dem sie selbst Lösungen entwickeln.
Eine unpassende Auswahl kann dazu führen, dass Erwartungen an den Mediator herangetragen werden, die mit der mediationsspezifischen Rolle nicht vereinbar sind. Dies erhöht das Risiko von Enttäuschungen, Abbrüchen oder verdeckten Rollenkonflikten. Eine reflektierte Auswahl hingegen stärkt die Selbststeuerung der Parteien und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mediation ihre Wirkung entfalten kann.
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