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Konflikttypen

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Weil die Mediation eine Konfliktbeilegung erreichen will, muss sie sich intensiv mit dem Konflikt auseinandersetzen.

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Zum Thema » Der Begriff Konflikttypen wird zum einen synonym mit dem Begriff der Konfliktarten verwendet, zum anderen bezieht er sich auf die Konfliktpersonen, indem er bestimmte Charaktere identifiziert und Muster aufdeckt, wie sich Menschen im Konflikt verhalten.

Individualisierungsmerkmale

Jeder Konflikt ist individuell. Trotzdem gibt es Muster und Rahmenbedingungen, die in mehr oder weniger typische Konfliktsituationen führen. Um die Vielfalt der unterschiedlichen Erscheinungsformen von Konflikten nachzuweisen, wurde die Datenbank Konfliktverzeichnis angelegt. Der Versuch, alle Erscheinungsformen von Konflikten zu kategorisieren, erscheint jedoch müßig und für die Mediation nicht sehr hilfreich. Eine allgemein gültige Einordnung der Konflikte erlaubt die am Streitkontinuum ausgerichtete Unterteilung und die Einteilung nach Konfliktdimensionen. Sie unterscheidet die Konflikte nach dem inhaltlichen Bezug.

Arten und Erscheinungsformen der Konflikte Konfliktdimensionen

Es gibt aber noch weitere Einflussfaktoren und persönliche Merkmale. Sie sollen in diesem Beitrag untersucht und herausgestellt werden. Damit kommen wir zu den Konfliktpersönlichkeiten, den Konflikttypen.

Konflikttypen (Personen)

Den Charakter eines Menschen machen wir an seinem Verhalten fest. Grundlage des Verhaltens sind zum Beispiel verschiedene Temperamente. Die heute nicht mehr gebräuchliche Temperamentenlehre führte die Grundtemepramente des Menschen und die sich daraus gebildete Persönlichkeit auf die Viersäftelehre zurück. Sie hat das rote Blut, den weißen Schleim, die schwarze und die gelbe Gallenflüssigkeit ausfindig gemacht und je nach Vorherrschaft einem Charakter zugeschrieben. Demnach wurden folgende Charaktere ausgewiesen.1 Die Auflistung erfolgt in der Reihenfolge der zuvor aufgeführten Körpersäfte:

  1. Sanguiniker (heiter und aktiv)
  2. Phlegmatiker (passiv, schwerfällig)
  3. Melancholiker (traurig, nachdenklich)
  4. Choleriker (leicht erregbarer, unausgeglichen, jähzornig)

Man mag sich vorstellen, dass diese Temperamente im Konfliktverhalten ein Ventil finden.
Dann wird unterschieden zwischen folgenden Konfliktcharakteren:

  1. Vermeider (gehen aus dem Weg)
  2. Kämpfer (setzen sich durch)
  3. Anpasser (passen die persönlichen Interessen den Begebenheiten an)
  4. Kompromissler (suchen die schnelle Lösung)

Ganz abgesehen davon, dass die Temperamentenlehre vom Fünf-Faktoren-Modell abgelöst wurde, und dass die Einschätzung einer Persönlichkeit wenn überhaupt nur relativ und auf die Situation bezogen erfolgen sollte, wird sich der Mediator an das Verhalten der Parteien einlassen und deren Fähigkeiten zur Konfliktlösung nutzen.

Konfliktfähigkeit

Unter der Konfliktfähigkeit oder der Konfliktkompetenz wird die Fähigkeit verstanden, eine Auseinandersetzung aufzunehmen, konstruktiv zu bewältigen oder nach Möglichkeit bereits im Vorfeld zu vermeiden. Stangl führt aus, dass es bei der Konfliktkompetenz oder der Konfliktfähigkeit nicht nur um die Suche nach einer angemessenen Lösung geht, sondern auch um das Schaffen einer Basis, die gute Beziehungen, Toleranz, Offenheit und den Aufbau einer fairen Streitkultur befördert. 2 Das Konfliktverhalten wird bereits in der frühesten Kindheit angelegt. Je mehr das Kind zu einem eigenständigen Handeln und zur Selbstständigkeit ermuntert wurde und je mehr es erfahren hat, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden, umso leichter wird es dem erwachsenen Menschern fallen, Differenzen mit anderen Menschen friedlich zu regeln. Nach Stangl wirken sich folgende Einflüsse positiv auf die Konfliktfähigkeit aus:3

  • Empathie
  • Verantwortungsgefühl
  • realistische Einschätzung des eigenen Könnens
  • Selbstbewusstsein und Glauben an die eigenen Ideen
  • der Blick fürs Wesentliche
  • Flexibilität
  • Gerechtigkeitsempfinden und Toleranz
  • Anwendung konstruktiver Kommunikationstechniken.

Weil der Mediator nicht selbst Teil des Konfliktes ist, bedeutet die Konfliktfähigkeit für ihn, sich nicht in den Konflikt hineinziehen zu lassen und die Metaebene zu bewahren. Seine Konfliktfähigkeit zeichnet sich also durch folgende Eigenschaften aus:

  • Neutralität / Allparteilichkeit
  • Unabhängigkeit / Unbeeinflussbarkeit
  • Konfliktdistanz / Metaperspektive

Zuschreibungen

Oft werden Menschen an ihrem Konfliktverhalten gemessen. Dabei werden typische Eigenschaften herausgestellt und oft genutzt, um den den anderen Menschen in seinem Konfliktverhalten einzuschätzen. Die von außen zugeschriebene Bewertung wird dem Menschen jedoch nicht immer gerecht. Bräu unterscheidet folgende Zuschreibungen (Konfliktverhaltensneigungen):4

Konfliktscheue Menschen
Wer nicht gelernt hat einen Konflikt auszuhalten, wird dazu neigen, dem Konflikt auszuweichen oder ihn gar zu ignorieren. Er wird ein konfliktvermeidendes Verhalten an den Tag legen, was im Grunde gar nicht zu beanstanden ist. Wenn die Vermeidung aber nicht aus der Erkenntnis heraus geschieht, dass der Konflikt auf diese Weise besser beizulegen ist, kann ein Ausweichen dazu führen, dass der Konflikt an anderer Stelle wieder ausbricht. Wer sich selbst als konfliktscheu ansieht, sollte gegebenenfalls lernen, sich dem Konflikt zu stellen und die Konfliktbotschaft zuz verstehen.
Harmoniesüchtige Menschen
Wie der Name sagt, steht die Harmonie im Vordergrund. Schlechte Stimmungen müssen vermieden werden. Sie füphlen sich nicht gut an. Deshalb sagt jemand lieber einmal ja, um bei einem Nein den sich schlecht anfühlenden Widerspruch zu umgehen. Leider verursacht das Harmoniegefühl irgendwann später oft ein noch größeres Desaster. Ein harmoniebedürftgiger Mensch kann das vermeiden, wenn er das Harmoniegefühl nicht nur auf den Moment bezieht, sondern auch die Konsequenzen im Blick hat und darauf achtet, dass die Auswirkungen des Verhaltens dann immer noch harmonisch sind. So kann er verhindern, dass die Harmoniebedürftigkeit selbst zu einem Konfliktfaktor wird.
Konfliktfähige Menschen
Die Konfliktfähigkeit ist der Garant für eine gute Balance und ein selbstkritisches Herangehen an Konflikte.
Konfliktfreudige Menschen
Sie neigen dazu, Konflikte zu suchen. Das Problem das aus diesem Verhalten entsteht ist die Begünstigung von Konflikten. Konfliktfreudige Menschen schießen gerne über das Ziel hinaus, was den Kon flikten entgegen kommt.

Behandlung in der Mediation

Die Identifikation von Konflikttypen kann besonders bei der Arbeit mit Gruppen behilflich sein. In jeder Gruppe gibt es sicher einen Vermittlertyp. Wenn der Mediator ihn ausfindig machen kann, sollte er ihm den Raum geben, sich einzubringen. Die Arbeit mit Konflikttypen dient in der Mediation nicht der Festschreibung von Persönlichkeiten, sondern der Hypothesenbildung. Der Mediator nutzt die beobachtbaren Verhaltensmuster, um Interventionen passgenau auszurichten, Kommunikationsräume zu öffnen und verdeckte Ressourcen sichtbar zu machen. Vorsichtig mit Interpretationen und Zuschreibungen. Auch hier gilt der Grundsatz:

-
Konflikttypen werden situativ verstanden. Dieselbe Person kann – abhängig von Kontext, Machtverhältnissen oder emotionaler Belastung – unterschiedliche konfliktbezogene Rollen einnehmen. Entscheidend ist nicht der Typ selbst, sondern der Umgang des Mediators mit dem gezeigten Verhalten. Die nachfolgende Tabelle soll dazu einen Überblick geben.

Konflikttyp und Verhalten Wahrnehmung durch den Mediator Typische Risiken im Verfahren Mediatorische Haltung Geeignete Interventionen
Vermeider Zurückhaltend, konfliktscheu, wenig sichtbar Themen bleiben unausgesprochen, Scheinlösungen Schutzgebend, ermutigend Einzelgespräche, strukturierte Redezeiten, Validierung leiser Beiträge
Kämpfer Dominant, durchsetzungsstark, konfrontativ Eskalation, Machtübernahme Klar strukturierend, begrenzend Regeln konsequent anwenden, Perspektivwechsel, Deeskalation
Anpasser Kooperativ, zustimmend, konfliktdämpfend Selbstverleugnung, spätere Blockaden Wertschätzend, stärkend Bedürfnisexploration, Ich-Botschaften fördern
Kompromissler Lösungsorientiert, pragmatisch, schnell Oberflächliche Ergebnisse Entschleunigend, vertiefend Interessenklärung, Nachhaltigkeitsprüfung
Konfliktscheuer Rückzug, Schweigen, Vermeidung Verlagerung des Konflikts Sichernd, normalisierend Konflikt legitimieren, Schutzrahmen erklären
Harmoniesüchtiger Ausgleichend, beschwichtigend Unauthentische Einigungen Klärend, reflektierend Zukunftsfolgen thematisieren
Konfliktfreudiger Provokant, angriffslustig Dauereskalation Neutral, klar, begrenzend Fokussierung auf Interessen statt Positionen
Konfliktfähiger Reflektiert, dialogbereit Gering Ressourcenorientiert Als Modell nutzen, Dialog fördern

Bedeutung für die Mediation

Für den Mediator ist es ebenso wichtig, das eigene Konfliktverhalten zu reflektieren. Eigene Präferenzen – etwa für Harmonie oder Konfrontation – beeinflussen Wahrnehmung und Intervention. Professionelle Mediation verlangt daher eine hohe Selbstreflexion, um nicht unbewusst mit bestimmten Konflikttypen zu koalieren oder andere zu benachteiligen.

Hinweise und Fußnoten
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen.
Bearbeitungsstand: 2026-02-01 14:31 / Version .

Aliase: Konfliktfähigkeit, Temperamente, Konfliktverhaltenszuschreibungen, Konfliktcharaktere
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Siehe auch: Konflikte, Konfliktkompetenz
Prüfvermerk: -

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1 - /Temperamentenlehre
2 - , Stangl, W. (2022, 17. Mai). Konfliktfähigkeit.https://lexikon.stangl.eu/10551/konfliktfaehigkeit.
3 Stangl a.a.O.
4 Siehe -