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Reflexion als Teil des Denkens

Wissensmanagement » Abteilung Wissen → Archiv
Die Mediation ist ein Prozess der gelebten Vernunft. Sie kommt nicht ohne Vernunft und die Vernunft nicht ohne Mediation aus.

Reflexion ist kein eigenständiger Denkakt neben Wahrnehmen, Erinnern oder Entscheiden, sondern eine besondere Qualität des Denkens. Sie liegt dort vor, wo sich das Denken nicht ausschließlich auf Inhalte richtet, sondern auf sich selbst zurückbezieht. Wer reflektiert, denkt nicht nur über einen Sachverhalt nach, sondern zugleich über die eigene Wahrnehmung, Bewertung und Beteiligung an diesem Sachverhalt. Reflexion setzt damit eine Distanz zum unmittelbaren Erleben voraus, ohne dieses zu negieren oder zu verdrängen.

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Reflexion und Metaebene

Diese Distanz wird als Metaebene beschrieben. Sie bildet eine zweite Betrachtungsebene, auf der Gedanken, Gefühle, Handlungen und Kommunikationsmuster selbst zum Gegenstand des Denkens werden. Reflexion ist folglich immer zweistufig angelegt: Einer ersten Ebene des Erlebens oder Handelns steht eine zweite Ebene gegenüber, auf der dieses Erleben oder Handeln eingeordnet, hinterfragt und in einen Zusammenhang gestellt wird. Ohne diese zweite Ebene bleibt Denken reaktiv, situationsgebunden und häufig von Affekten bestimmt.

Bedeutung der Reflexion für die integrierte Mediation

Für die integrierte Mediation ist die Metaebene das kennzeichnende Strukturelement. Sie unterscheidet Mediation grundlegend von anderen Formen der Konfliktbearbeitung, in denen es primär um Entscheidungen, Bewertungen oder Lösungen geht. Die Mediation zielt nicht allein auf inhaltliche Klärung, sondern auf die Fähigkeit der Beteiligten, ihr eigenes Denken, Fühlen und Handeln im Konflikt zu reflektieren. Ohne Reflexion ist diese Metaebene nicht zugänglich; ohne Metaebene verliert die Mediation ihren spezifischen Charakter.

Funktionen der Reflexion im Mediationsverfahren

Reflexion erfüllt in der Mediation mehrere zentrale Funktionen. Sie ermöglicht Perspektivenwechsel, indem sie die eigene Sichtweise relativiert und alternative Deutungen zulässt. Sie macht implizite Annahmen sichtbar, trennt Beobachtung von Bewertung und hilft, Sache, Beziehung und Prozess auseinanderzuhalten. Der Mediator nimmt dabei keine inhaltlich steuernde Rolle ein, sondern fungiert als Anbieter von Reflexion. Er unterstützt die Parteien darin, ihre Denk- und Deutungsmuster wahrzunehmen, ohne diese zu bewerten oder zu korrigieren.

Gerade hierin zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen Reflexion und dem Prinzip der Indetermination: Die inhaltliche Zurückhaltung des Mediators ist keine Passivität, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Reflexion überhaupt möglich wird.

Warum Reflexion im Konflikt häufig unterbleibt

Trotz ihrer Bedeutung bleibt Reflexion in Konfliktsituationen häufig aus. Starke Emotionen binden Aufmerksamkeit und erschweren die notwendige Distanzierung. Zeit- und Entscheidungsdruck begünstigen vorschnelles Handeln und lassen Reflexion als verzichtbaren Luxus erscheinen. Hinzu kommt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Gewissheit, das offene Fragen und Ambivalenzen als bedrohlich erlebt. Nicht zuletzt wird Reflexion mitunter mit Unsicherheit oder Schwäche verwechselt, insbesondere in Kontexten, in denen Durchsetzungsfähigkeit als zentrale Kompetenz gilt.

Voraussetzungen für gelingende Reflexion

Reflexion ist nicht jederzeit möglich. Sie setzt bestimmte Bedingungen voraus: psychische Sicherheit, zeitliche Entschleunigung und eine klare Struktur, die Orientierung bietet. Ebenso wichtig ist eine innere Bereitschaft, Nicht-Wissen auszuhalten und eigene Annahmen infrage zu stellen. Die Mediation schafft diese Voraussetzungen bewusst, indem sie einen geschützten Gesprächsraum etabliert, Rollen klärt und Verfahrensregeln einführt, die die Metaebene absichern.

Grenzen und Risiken der Reflexion

Reflexion ist kein Allheilmittel. Sie kann problematisch werden, wenn sie zur Daueranalyse ohne Handlung führt, wenn sie als Mittel der Distanzierung genutzt wird, um Verantwortung zu vermeiden, oder wenn sie einseitig eingefordert wird. In der Mediation geht es daher nicht um maximale Reflexion, sondern um angemessene Reflexion: so viel Distanz wie nötig, um Orientierung zu gewinnen, und so viel Nähe wie erforderlich, um handlungsfähig zu bleiben.

Bedeutung für die Mediation

Reflexion verbindet Denken, Haltung und Verfahren. Sie ermöglicht es, Konflikte nicht nur zu bearbeiten, sondern zu verstehen. Die integrierte Mediation ist deshalb weniger ein Entscheidungs- oder Lösungsverfahren als ein reflexives Verfahren, das den Beteiligten erlaubt, ihre Wirklichkeitskonstruktionen wahrzunehmen, zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu ordnen. Ohne Reflexion bleibt Mediation bloße Technik; mit Reflexion wird sie zu einem Verfahren bewusster Verständigung.

Hinweise und Fußnoten
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Bearbeitungsstand: 2026-02-20 08:26 / Version .

Siehe auch:
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