Die Sprache der Mediationsschulen

Schulen

Wissensmanagement » Diese Seite gehört zur Rubrik Schulen der Wiki-Abteilung Akademie. Sie befinden sich auf der Seite Termini wo die unterschiedliche Terminologie der jeweiligen Lehre identifiziert wird. Beachten Sie bitte auch:

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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.

Die Terminologische Zuordnung

Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.

 
BezeichnungBeschreibung
AssoziationenfalleDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt, weil das menschliche Gehirn auch unzusammenhängende Informationen miteinander (eben mit Assoziationen) verknüpft.
Confirmation BiasDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt. Er beschreibt, dass Menschen dazu neigen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu empfinden.
Barnum-EffektDer Effekt wird bei den Denk- und Wahrnehmungsfehlern aufgeführt. Er beschreibt, dass Menschen dazu neigen, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigene Vorstellungswelt bestätigen. Das muss nicht korrekt sein.
Social LoafingDas "soziale Faulenzen" erlaubt es Einzelnen in einer Gruppe nicht ihre beste Leistung zu bringen, weil das nicht auffallen würde. Je größer die Gruppe ist, desto mehr nimmt die Leistung des Einzelnen ab.
Social ProofSocial Proof wird als Denk- und Wahrnehmungsfehler erfasst. Der Begriff weist darauf hin, dass das Denken der Menschen nach Orientierung sucht. Es unterscheidet dabei nicht welcher Qualität die Orientierung ist. Ein Vorurteil genügt oder die Vorstellung, dass Millionen Menschen sich nicht irren können.
Zielvariablen

Die Zielvereinbarung der 1.Phase setzt sich aus drei Variablen zusammen, um daraus eine schlüssige Zielvereinbarung zu gestalten:

  1. den Anlass als Ausgangspunkt des Weges
  2. dem Zweck was damit beabsichtigt wird
  3. der Konsequenz, dass eine Suche erforderlich ist.

KontextDer Kontext bezeichnet allgemein gesagt den Zusammenhang, in dem eine Äußerung oder ein Vorgang steht. Für die Mediation hat der Begriff eine besondere und vielfältige Bedeutung, weil der Kontext den Rahmen herstellt in dem wir denken und weil die Herstellung (oder Nichtaußerachtlassung) des Problemkontextes dazu beiträgt, Selektionen zu vermeiden.
MediationsregelnMediationsregeln sind die mit den Parteien zu vereinbarenden Regeln über die Durchführung der Mediation
SituationsanalyseBevor der Mediator überhaupt entscheiden kann, wie Zwischenfälle in der Mediation zu behandeln sind (welche Handlungsoptionen er hat), muss er die zu bewältigende Situation korrekt erfassen.
WahrnehmungsfehlerMit diesem Begriff werden biologische, sinnliche und psychologische Einschränkungen und Irritationen der Wahrnehmung beschrieben. Der Mediator sollte sie kennen, um die Informiertheit der Parteien sicherzustellen und Umsicht zu korrigieren. Ein Verzeichnis der Wahrnehmungsfehler enthält der Beitrag Denkfehler-Wahrnehmungsfehler.
WYSIATI-EffektDas Akronym steht für "What you see is all there is". Es beschreibt das Phänomen, dass unser Gehirn bei der Entscheidungsfindung alles einbezieht, was wir positiv wissen. Aus diesem Wissen wird eine Geschichte konstruiert, aus der sich die Entscheidung herleiten lässt. Informationslücken bleiben außen vor und werden in die Entscheidung nicht einbezogen
Pro-Rata-ModellAbrechnungssystem für Content-Portale wie Spotify und Wiki to Yes für die Bereitstellung von Inhalten.
Abduktion

Die Abduktion beschreibt eine Erkenntnislogik. Sie dient der Hypothesenfindung und baut auf Erfahrungen auf. Auf die Mediation übertragen, wäre sie der gedankliche Weg in die neue Lösung.

Aspirin-LogikEine statistische Erhebung hat gezeigt, dass Menschen, die kein Aspirin nehmen, häufiger an Kopfschmerzen leiden. Der Umkehrschluss jedoch, dass jemand der kein Aspirin nimmt, deshalb notwendigerweise Kopfschmerzen hat, ist nicht logisch. Die Aspirin-Logik beschreibt eine Art des Denkens, die den Beweis für eine Tatsache dadurch herbeiführen will, dass sie das Nichtvorhandensein einer Korrelation oder des vermeintlichen Gegenteils widerlegt. Tatsächlich führt die Negation des Gegenteils nicht zwingend zur Schlussfolgerung, dass die Behauptung korrekt ist. Wenn ich belege, dass der andere böse ist, ist die Schlussfolgerung, dass ich gut sein muss, keine logische Konsequenz. Der Trugschluss lässt sich vermeiden, wenn man sich auf das konzentriert was ist oder sein soll.
WhiteboardDas Whiteboard entspricht einer Tafel mit allen Vor und Nachteilen. Der Vorteil ist die Visualisierungsfläche Der Nachteil ist der begrenzte Platz. Wie bei einer Tafel muss das Whiteboard gegebenenfalls gereinigt werden, damit weitere Darstellungen möglich sind. Diesen Nachteil kompensiert ein Flipchart oder ein elektronisches Whiteboard.
PolarisierenGegensätze aufbauen um zu verdeutlichen
ProvozierenWenn das Gespräch behäbig verläuft, können provozierende Fragen helfen, Gedanken zu ermöglichen.
ZuspitzenWenn das Gespräch zu behäbig verläuft, die Dinge nicht auf den Punkt kommen helfen Zuspitzungen um Erkenntnisse zu gewinnen.
förmliche MediationSiehe formelle Mediation
Hybrid-MediationDer Begriff wird verwendet wenn eine Mediation als Präsenzmediation kombiniert mit virtuellen Begegnungen, also einer online Mediation, ausgeführt wird.
Mediation mit StellvertretungSiehe Stellvertretermediation und Parteien
Mediation (allgemein)Mit diesem Begriff wird die Lehre der Mediation angesprochen, nicht das Verfahren. Die Lehre deutet auf das zugrundeliegende Mediationskonzept hin.
Mediation i.S.d. MediationsgesetzesEs ist eine Unterscheidung geboten für Mediationen, auf die das Mediationsgesetz anwendbar ist und solche, auf die es nicht anwendbar ist. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Mediationsradius. Sie auch Mediationssystematik. Siehe auch gesetzliche Mediation
nonverbale KommunikationDie nonverbale Kommunikation bezieht sich auf die Körpersprache, mithin die sinnlich wahrnehmbare und meist nicht verbalisierte Kommunikation.
paraverbale KommunikationDiese paraverbale Kommunikation ist eine begleitende Kommunikation. Sie betrifft die Art und Weise, wie eine Botschaft übermittelt wird. Sie erfolgt ebenfalls nonverbal und drückt sich im Tonfall, im Schweigen, in der Aussprache, in der Lautstärke, der Tonlage, der Sprachmelodie, der Betonung, der Sprechgeschwindigkeit, aber auch eventuell im Lachen, Seufzen, Räuspern, Kopfnicken, Murmeln, Stammeln usw. aus.
verbale KommunikationDie verbale Kommunikation ist eine inhaltliche Kommunikation, die auf das gesprochene oder geschriebene Wort eingeht.
überprüfenDie Angaben der Parteien sind mindestens auf ihre Schlüssigkeit hin zu überprüfen. Für den Mediator genügt es, auf Bedenken hinzuweisen. Wie die Überprüfung der Faktenlage erfolgt, ist mit den Parteien abzustimmen. Bei streitigen Fakten ist Beweis zu erheben.
Einigung

Einig bedeutet einerseits die Übereinstimmung in einer Meinung oder Gesinnung und andererseits das zu einer Einheit verbunden sein. Einigung bedeutet demzufolge das Sicheinigen oder das Einigwerden. Es gibt unterschiedliche Grade des Einigseins im Streit:

  1. Unterwerfung
  2. Vergleich
  3. Konsens
MotivierenErkenntnisse vermitteln, die ein Interesse an der Mediation (oder Entscheidungen in der Mediation) wecken. Die Motivation ist stets auf ein Wachstum (V Vermehrung von etwas) oder auf Mangelbeseitigung gerichtet.
TriebreduktionDie Triebreduktionstheorien gehen von einem physiologisch oder psychologisch erzeugten Spannungsverhältnis aus (Trieb), der das Verlangen auslöst, die Spannung abzubauen also den Antrieb zu reduzieren. Die Triebreduktion wird im Zusammenhang mit der Motivation und den Motiven in der Mediation erwähnt.
Leerer StuhlUm die Betroffenheit und Involviertet einer nicht anwesenden Person aufzuzeigen kann der Mediator einen leeren Stuhls aufstellen. Er kann diesen wie die zu repräsentierende Person ansprechen.
KonsistenzkontrolleDie Parteien neigen zum Hase und Igel Spiel. Das bedeutet sie wechselnde Ebenen und Denkmodelle ohne sich darüber bewusst zu sein. Der Mediator achtet darauf das Ebenen oder Modelle erst gewechselt werden, nachdem ein Punkt abgearbeitet wurde.
VergewissernSicher gehen, dass etwas verstanden wurde.
Themensammlung (Phase)Die zweite Phase der Mediation wird entweder als Themensammlung oder als Bestandsaufnahme bezeichnet. Die unterschiedlichen Begriffe deuten die unterschiedlichen Herangehensweisen an. In beiden Fällen geht es darum, die Fragen herauszuarbeiten, die zu klären sind, damit das Problem gelöst werden kann.
MediationVerstehensvermittlung
AusbildungsmediationenMediationen, die noch im Rahmen der Ausbildung durchgeführt werden.
ganzheitliche MediationGanzheitliche Mediation wird als die Methode beschrieben, um in konfliktbehafteten und gegebenenfalls „festgefahrenen" Situationen tragfähige Lösungen mit den Beteiligten zu erarbeiten. Die Wiederherstellung der Kommunikation ist ein wesentlicher Schlüssel, Veränderungsprozesse einzuleiten. Der Ansatz der Ganzheitlichen Mediation und Unternehmensentwicklung löst nicht nur bestehende Konflikte u. a. Krisensituationen mit den Beteiligten, sondern erarbeitet (Kommunikations-) Strukturen, die diese präventiv verhindern helfen und eine bestmögliche Entwicklung Ihres Unternehmens ermöglichen.
Ethno-MediationEine Mediation, die kulturell geprägte Formen und Herangehensweisen der Konfliktbeilegung anderer Ethnien in sich aufnimmt. Die Ethno-Mediation wird als ein Unterfall der interkulturellen Mediation verstanden.
PrämediationDer Begriff wurde von Wilfried Kerntke geprägt. Die Prämediation beschreibt die Bemühungen, die Mediation im konkreten Fall zu ermöglichen.
kathartische MediationDie kathartische oder metanoische Mediation sind von Glasl eingeführte Begriffe, mit der die Notwendigkeit und Fähigkeit der Mediation beschrieben wird, die zur Konfliktbewältigung erforderliche, innere Wandlung im Menschen herbeizuführen. Die Herangehensweise entspricht der transformativen Mediation.
e-MediationDer Begriff bezeichnet die Anwendung jeglicher Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) auf den Mediationsprozess online oder über eine andere Technologie.
formelle Mediation Der Begriff der formellen oder förmlichen Mediation wird synonym mit der reinen Mediation verwendet und meint alle Mediationen, die in einem eigenständigen Verfahren mit einem nicht entscheidungsbefugten Dritten durchgeführt werden. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Mediationsradius. Sie auch Mediationssystematik.
AuftragsmediationenMediationen, die auf einem Auftrag i.S.d. BGB und nicht auf einem Dienstvertrag beruhen.
AltersmediationMediation bei Konflikten in der Familie im Umgang mit alten Menschen. Es besteht ein Bezug zur Mediation im medizinischen Bereich, wenn es um die Betreuung eines demenzkranken Familienmitgliedes oder dem Umgang mit einer Krankheit in der Familie geht.
Ad-Hoc MediationDie Ad-Hoc Mediation grenzt sich zur institutionalisierten Mediation ab. Analog der Ad hoc Arbitration sind darunter Mediationen zu verstehen, die nicht über Organisationen oder Institutionen verwaltet werden. Meist wird der Mediator in diesen Fällen von den Medianden direkt beauftragt und nicht von einer Institution vermittelt.
Institutionalisierte MediationDer Begriff grenzt sich von der Ad-Hoc Mediation ab. Gemeint sind diejenigen Fälle, bei denen die Medianden die Dienste einer Mediatorenorganisation etwa zur Vermittlung eines Mediators in Anspruch nehmen. Der Vorteil institutionali-sierter Mediationen mag in der vorherigen Berechenbarkeit und Transparenz gesehen werden. Ihr Nachteil indes ist die damit einhergehende Generalisierung und die institutionelle Ausrichtung eines individuellen Verfahrens. Verfahrensbezogene Vorgaben sind bei hoheitlich ausge-richteten Verfahren ohne weiteres möglich. Sie lassen sich nicht ohne weiteres auf die Mediation als ein privat-rechtlich zu organisierendes Verfahren übertragen. Wel-che Gefahren mit einer Institutionalisierung der Mediation verbunden sind, zeigen die Ausführungen zur Media-tionsordnung.
restorative Justice Der englische Ausdruck steht für das Wiederherstellen von Gerechtigkeit. Es geht um eine Wiedergutmachung im Strafverfahren. In Deutschland wird dafür der Begriff Täter-Opfer-Ausgleich verwendet. Die Wiedergutmachung erfolgt als Schlichtung oder Mediation vor einem strafrechtlichen Hintergrund.
GüteverfahrenStreitbeilegungsverfahren vor einer Gütestelle. Das Güteverfahren ist von der Güteverhandlung, der Güterichterverhandlung und dem Güteversuch abzugrenzen.
Täter-Opfer-AusgleichMediation in Strafsachen, wo die Schlichtungsinitiative vom Täter ausgeht (anders als im Sühneverfahren). Der Täter-Opfer-Ausgleich kann als Schlichtung oder Mediation durchgeführt werden.
SchulmediationMediation im Schulbereich, oft von Schülern als Mediatoren durchgeführt (Peer-Mediation).

Hinweise und Fußnoten

Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen

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