Die Sprache der Mediationsschulen
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Auch die in der Mediation verwendeten Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Manche Schulen haben sogar eigene Fachbegriffe eingeführt, um ihr Mediationskonzept herzuleiten. Das differenzierte Fachwörterbuch gibt Ihnen die Möglichkeit, die unterschiedliche Verwendung der Fachtermini nachzuvollziehen und abweichenden Lehren auf den Grund zu gehen.
Die Terminologische Zuordnung
Die einen sprechen vom Eisbergmodell, die anderen vom U-Modell und wieder andere sprechen vom PIN-Modell. Alle meinen das gleiche. Die begrifflichen Abweichungen verwirren, weshalb Wiki to Yes nicht nur ein Fachwörterbuch einführt, sondern auch versucht, den Begriffswelten der jeweiligten Lehre auf den Grund zu gehen.
Die Examensdatenbank wird ständig erweitert. Sie können helfen. Sollten Sie einen Begriff vermissen oder anders definieren, geben Sie bitte einen Hinweis, wenn Sie die Änderung nicht selbst einbringen.
| Bezeichnung | Beschreibung |
|---|---|
| Reformulierungsverfahren | Das Reformulieren gilt als Basisstrategie für ein Gesprächsführungsmodell, das auf das Konzept des Aktiven Zuhörens verweist. Die vorliegende Untersuchung von Reformulierungsverfahren folgt gesprächsanalytischen Prinzipien und stellt insbesondere die sequenzielle Herstellung der Verfahren in den Fokus. |
| Informationspreisgabe | Die Informationspreisgabe entspricht der Informationsweitergabe. |
| Informationsaufnahme | Die Informationsaufnahme ist ein Teil des Prozesses der Informationsverarbeitung. Sie beschreibt das was von der Information ankommt, aber auch die Möglichkeit, die Fähigkeit und die Umstände zur Entgegennahme der Information, ihre Bewusstwerdung und ihre Kontrolle der Informationsauswahl (Selektion) im sensorischen Speicher. |
| Informationsweitergabe | Die Informationsweitergabe ist ein Teil der Informationsverarbeitung. Sie beschreibt die Weitergabe von Informationen, die darauf bezogene Rückmeldung und die Art und Weise ihrer Bereitstellung. |
| Informationswahrnehmung | Die Informationswahrnehmung ist ein Teil des Prozesses der Informationsverarbeitung. Sie ist mit der Informationsaufnahme identisch. Sie beschreibt die Möglichkeit, die Fähigkeit und die Umstände zur Entgegennahme der Information, ihre Bewusstwerdung und Kontrolle der Informationsauswahl (Selektion) im sensorischen Speicher. |
| Informationsverwendung | Die Informationsverwendung beschreibt, wie die Information innerhalb der Mediation zu verwenden ist. |
| Informationszuordnung | Nachdem die Information qualifiziert wurde, wird sie sowohl dem Prozess wie dem Fall zugeordnet. Die Zuordnung erfolgt anhand der Dimensionen. Die Dimensionen bestimmen den Ort, an dem die Information abgelegt wird. |
| Informationsqualifikation | Bei der Informationsqualifikation geht es um die Kenntnis, um welche Informationen es sich handelt. Gemeint ist die Einordnung der Information anhand der Dimensionen. |
| 9-Punkte-Problem | Das Neun-Punkte-Problem oder das Neun-Punkte Rätsel besteht aus einem 3x3-Raster von Punkten. Die Aufgabe besteht darin, alle neun Punkte mit genau vier geraden Linien zu verbinden. Eine typische Lösung erfordert, dass man „außerhalb der Box“ denkt, also über die Begrenzungen des Rasters hinaus zeichnet. Das Rätsel wird für das kreative denken genutzt aber auch für die Wirkung, die der angenommene Kontext auf unser Denken hat. |
| Hoffnung | Hoffnung ist die Erwartung, dass die Zukunft besser sein wird als heute und dass wir die Kraft haben, es zu schaffen. Sie spielt in der Mediation eine wichtige Rolle. Sie wirkt sich auf die Nachfrage, die Durchführung und das Ergebnis aus. |
| Informationshandling | Das Informationshandling beschreibt, wie in der Mediation mit Informationen umzugehen ist. |
| CRAAP-Methode | Die CRAAP-Methode benennt fünf Qualitätskriterien zur Prüfung der Wissenschaftlichkeit einer Information. Das Akronym steht für: Currency (Aktualität), Relevance (Relevanz), Authority (Autorität), Accuracy (Genauigkeit) und Purpose (Zweck). Die CRAAP-Methode inspiriert die Vorgehensweise bei der Informationsbewertung in der Mediation. |
| Informationsbewertung | In der heutigen Informationsgesellschaft ist die Fähigkeit zur Informationsbewertung eine entscheidende Kompetenz, um fundierte Entscheidungen zu treffen, wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen oder einfach den Überblick in einer Flut von Daten zu behalten. Die Bewertung von Informationen spielt auch in der Mediation eine wichtige Rolle. Sie unterscheidet sich von der Qualifikation der Information. |
| Informationskompetenz | Informationskompetenz bezieht sich auf die Fähigkeit, Informationen effektiv zu finden, zu bewerten und zu nutzen. Sie umfasst das Erkennen des Informationsbedarfs, die Informationssuche und den Informationszugang, die kritische Bewertung von Informationen, die Verarbeitung und Anwendung von Informationen. In der Mediation bezeichnet die Informationskompetenz die Fähigkeit, mit Informationen umzugehen. |
| Wunderfrage | Die Wunderfrage oder "Problem ist weg" Frage ist eine Methode der Befragung, dass ein Trainer, Therapeuten oder Berater nutzen können, um die Kunden einladen, sich vorzustellen und zu beschreiben im Detail, wie die Zukunft wird anders sein, wenn das Problem nicht mehr Gegenwart. |
| Rumpelstilzcheneffekt | Die Parteien nennen den Konflikt beim (richtigen) Namen. Wenn es gelingt, dass die Parteien sich des Namens bewusst werden, ist der Konflikt meist in dem Moment vorbei oder man hat einen Packan um ihn zu überwinden. |
| Autopoiesie | Autopoiesis (aus dem Griechischen "auto" = selbst und "poiesis" = Erzeugung) beschreibt die Eigenschaft eines Systems, sich selbst zu produzieren und zu reproduzieren. |
| Suchstrategie | Die Mediation ist stets eine SUCHE nach Lösungen. Die Strategie ist, was das Verfahren (die Vorgehensweise) anbelangt, im Groben durch die Phasenkonsistenz vorgegeben. Gesucht werden Erkenntnisse, die zu einer allseits akzeptablen Lösung führen. Die Mediation beschreibt eine gemeinsame Suche, die möglich ist, wenn von einer Gemeinsamkeit ausgegangen wird. Wichtig ist die Dimensionierung, |
| Mediationslandkarte | Die Mediationslandkarte erlaubt eine Navigation in der Mediation. Sie stellt die zu bearbeitenden Themen dar und ordnet sie den Phasen zu. |
| Verstärkungstheorie | Die Verstärkungstheorie beschreibt das Phänomen, dass durch positive Verstärkung ein bestimmtes Verhalten belohnt oder bestätigt wird, was dazu führen kann, dass es wiederholt wird, selbst wenn es langfristig negative Konsequenzen hat. |
| Objekt- oder Personenpermanenz | Besonders Kleinkinder müssen lernen, dass ein Objekt sich nicht deshalb auflöst und verschwindet, weil es gerade nicht sichtbar ist. Die Objekt- oder Personenpermanenz bezeichnet das Wissen um das Weiterexistieren von Personen oder Gegenständen, die sich nicht mehr in unserem Wahrnehmungsbereich befinden. Die Objekt- oder Personenpermanenz stellt sich im ersten Lebensjahr etwa ab dem 8. Monat her. Das Phänomen der Objekt- oder Personenpermanenz begegnet uns im Konflikt, wo ihr Fehlen zu Beziehungsproblemen führt oder wo nicht wahrnehmbare Eigenschaften einfach weggeblendet oder vergessen werden und nicht gelernt werden können. |
| Alltagsmediation | Der Begriff steht nicht für eine besondere Form der Mediation wohl aber für Mediationen, die im Alltag verwendet werden. Die Alltagsmediation ist deshalb eine Mediastion für alltägliche Fälle. |
| Alltagskonflikt | Mit der Bezeichnung Alltagskonflikt werden die Nervigkeiten des Alltags bezeichnet. Kleinigkeiten, die durchaus belasten. Der Begriff kennzeichnet auch eine Konfliktart, die durch die Regelmäßigkeiten und Gewohnheiten des Alltags geprägt wird und auf daraus resultierende Täuschungen und Fehleinschätzungen beruht. |
| Konfliktenergie | Eine der positiven Eigenschaften des Konfliktes ist die Energiezufuhr. Sie macht die Parteien handlungsfähig. Der Energiezuwachs kann sich negativ auswirken, wenn er den Fokus auf den Gegner lenkt und die Energie nicht genutzt wird, den Konflikt zu überwinden. |
| Rhythmus der Mediation | Der Rhythmus bezeichnet die Akzentuierung und zeitliche Gliederung von Ereignissen mit einer gewissen Regelmäßigkeit. In der Mediation wird damit die unterschiedliche Betonung und die zeitliche Gewichtung im Phasenablauf angesprochen. |
| Verstehensvermittlung | Verstehensvermittlung ist ein Leistungsmerkmal der Mediation, das sich von der Lösungsvermittlung der Schlichtung unterscheidet. |
| Kindesanhörung | Die Anhörung von Kindern ist in manchen Verfahren (z.B. bei einer Familiensache) vorgeschriebven. Sie kann auch in der Mediation vorkommen. Dann sind jedoch besondere Regeln zu beachten, damit die Anhörung kjindgerecht erfolgen kann. |
| Konfliktrelation | Ein Konflikt kommt selten allein. Die Konfliktrelation beschreibt das Verhältnis der Konflikte in einem Fall zueinander. |
| Konfliktlandkarte | Eine grafische Darstellung, die eine Übersicht zu der Frage erlaubt, wer mit wem welchen Konflikt in welcher Eskalationsstufe und welcher Konfliktdimension hat |
| Konfliktbaum | Der Konfliktbaum befasst sich mit dem Unterschied zwischen strukturellen und dynamischen Faktoren und visualisiert, wie Konfliktthemen diese beiden Aspekte verbinden. In dem Bild eines Baumes werden die dynamischen Faktoren in der Baumkrone und die strukturellen Faktoren im Wurzelbereich angeordnet. |
| Konfliktrad | Das von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) entwickelte Conflict Wheel (Konfliktrad) gibt eine Orientierung, indem es nach der Konfliktdynamik, den Akteuren, Ursachen und Strukturen, sowie den Themen und Optionen/Strategien differenziert. |
| Konfliktanalyse | Die Mediation erfordert eine Konfliktanalyse, die mitunter auch als Diagnose bezeichnet wird. Einer Konfliktdiagnose bedarf es jedoch nicht, weil der Konflikt (zumindest nicht vom Mediator) zu beurteilen ist. Es geht (lediglich) darum, die Eckdaten für den Konflikt herauszuarbeiten, um den Konflikt identifizieren zu können. Die Eckdaten setzen sich aus den Parteien, der Konfliktdimension und der Eskalation zusammen. |
| Konfliktdiagnose | Der Begriff wird oft synonym mit der Konfliktanalyse verwendet. Es geht um die Identifikation des Konfliktes als Bearbeitungsgrundlage in der Mediation. |
| Optimismus | Optimismus ist eine positive Denkweise, bei der man dazu neigt, das Beste zu erwarten und positive Ergebnisse oder Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen anzustreben. Es ist eine innere Überzeugung, dass gute Dinge passieren können und dass Schwierigkeiten überwunden werden können. |
| Optimismus | Es handelt sich um eine Denkweise, die mit der Erwartung einhergeht, dass zukünftige Ereignisse, persönliche Beziehungen oder Situationen positiv verlaufen. Wie das positive Denken trägt der Optimismus dazu bei, Möglichkeiten auch dann noch zu erkennen, wenn Hindernisse oder Herausforderungen im Wege stehen. |
| Negativitätsverzerrung | Das menschliche Gehirn zeigt eine Neigung, negative Informationen stärker zu verarbeiten und zu speichern als positive. Dieser Mechanismus hat evolutionäre Vorteile, da er uns dazu veranlasst, auf potenzielle Gefahren oder Bedrohungen aufmerksam zu sein. Dieser Bias kann dazu führen, dass wir uns eher auf negative Nachrichten konzentrieren. |
| Nebenberuf | Eine Tätigkeit, bei der Einkünfte erzielt werden, ist eine nebenberufliche Tätigkeit, wenn sie zeitlich nicht mehr als ein Drittel einer vergleichbaren Vollerwerbstätigkeit einnimmt. Dabei wird pauschalierend von einer Wochenarbeitszeit von 14 Stunden (= 1/3 von 42 Stunden) ausgegangen. Dies gilt auch, wenn kein Hauptberuf ausgeübt wird. |
| Fakten-Meinungen-Emotionen | Die Unterscheidung zwischen Fakten Meinungen und Emotionen folgt dem 3-er Schritt der Wahrnehmung. Sie entspricht der Technik aus dem Harvard Konzept, wonach Entscheidungen auf objektive Kriterien zurückzuführen sind. |
| Gesprächsaufforderung | Aufforderung zum Sprechen. Geht häufig mit einer Wortzuteilung einher. |
| Wortzuteilung | Aufforderung oder Zuweisung einer Gelegenheit, sich zu äußern. Übertragung des Rederechts. |
| Gespräch | Definitionsgemäß handelt es sich bei einem Gespräch um einen mündlichen Gedankenaustausch durch Rede und Gegenrede. Die Mediation ist ein kommunikationslastiges Verfahren, bei dem das Gespräch im Mittelpunkt steht. Die Mediation gibt dem Gespräch einen Rahmen und eine Struktur. |
| Redestab | Es gibt verschiedene Arten, wie Parteien das Wort erteilt werden kann. Statt eine Partei auszuwählen, die zu reden beginnt, sollten die Parteien gefragt werden, wer anfangen will. Die Reaktion auf die Frage zeigt das Beziehungsverhalten der Parteien. |
| Fishbowl | Es gibt verschiedene Arten, wie Parteien das Wort erteilt werden kann. Wenn die Gesprächsgruppe zu groß ist, kann versucht werden, die Gesprächsteilnehmer auf einen kleinen Kreis zu reduzieren. Die Fishbowltechnik versucht die Reduktion, ohne Diskussionsteilnehmer auszuschließen, indem sie einer großen Gesprächsgruppe einen Stuhlkreis anbietet, in den sich nur eine kleine Zahl von Personen setzen darf. Wer etwas zu sagen hat, muss in den Stuhlkreis. Wenn er nichts mehr zu sagen hat, muss er den >Stuhlkreis verlassen. |
| Diskussion | Eine Diskussion ist ein Austausch von Argumenten, Meinungen, Informationen und Ideen zwischen zwei oder mehreren Personen oder Gruppen. Ihr Ziel ist es, durch einen offenen Dialog und eine konstruktive Debatte eine tiefere Einsicht in ein bestimmtes Thema oder Problem zu erlangen. In der Mediation spielt die Diskussion eine nachgeordnete Rolle. Sie wird gegebenenfalls sogar verhindert. |
| Verfahrenslandkarte | Übersicht über die Verfahren auch zur Analyse von Parallelprozessen und zur Standortbestimmung sowie zur Frage von Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Mediation. |
| Informationsarchitektur | Der Begriff Informationsarchitektur stammt aus der Informatik. Die Informationsarchitektur befasst sich mit der Organisation und der Strukturierung von Inhalten. Sie ist besonders für Designer und Webseitenbetreiber von Bedeutung. Das Konzept wird als Grundlage für die Mediationsarchitektur übernommen. |
| vererbte Konflikte | Manchmal werden Verhaltens- und Konfliktmuster aus vorangegangenen Generationen unbewusst übernommen, sodass sie sich über Generationen hinweg fortsetzen. Die ist der Fall bei einer transgenerationalen Traumatisierung, bei einer konfliktaffinen Familiendynamik und bei Internalisierten Überzeugungen und Muster. Bei innerfamiliären Konflikten kann es deshalb auch in der Mediation Sinn machen, sich die Familiengeschichte näher anzuschauen. |
| Verschwägerung | Die Definition ergibt sich aus §1590 BGB: Die Verwandten eines Ehegatten sind mit dem anderen Ehegatten verschwägert. Die Linie und der Grad der Schwägerschaft bestimmen sich nach der Linie und dem Grade der sie vermittelnden Verwandtschaft. Die Schwägerschaft dauert fort, auch wenn die Ehe, durch die sie begründet wurde, aufgelöst ist. |
| Verwandtschaft | Die Definition ergibt sich aus §1589 BGB: Personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader Linie verwandt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten. Die Verwandtschaft ist von der Schwägerschaft abzugrenzen. |
| Erbschaftsmediation | Die Erbschaftsmediation oder auch Erbmediation ist eine Mediation in einer Erbschaftsangelegenheit. Sie ist ein Unterfall der Rechtsnachfolgemediation und kommt der Familienmediation nahe. Allerdings bezoieht sie sich nur auf Erbschaften und Erbfälle. Dabei kann es um die gesetzliche oder die gewillkürte Erbfolge gehen. Meist geht es um die Frage der Verteilung des Nachlasses. Der Konflikthintergrund geht darüber jedoch hinaus. |
Siehe auch: Liste der Verzeichnisse, Terminologie
Prüfvermerk:
Aliase: TerminiMediationsschulen