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Der Wohnungstausch-Fall

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Die Fallbeispiele sollen zum Lernen beitragen. Sie können in Peergroups zum Üben genutzt werden, aber auch um die Methodik zu hinterfragen. Bitte schauen Sie sich die Lösungshinweise erst an, nachdem Sie den Fall ausprobiert haben. In einem Rollenspiel sollten die Briefings nur von den Personen gelesen werden, denen ein Rollenverhalten zugeschrieben wird.

Fallbeschreibung

Anfang 2024 zog S (Sohn) in eine Wohnung innerhalb eines von der Familie betriebenen Hauses ein. Grundlage hierfür war eine mündliche Zusage von V (Vater), dem Eigentümer des Hauses, die von S als langfristige Wohnperspektive verstanden wurde. In diesem Vertrauen investierte S erhebliche finanzielle Mittel in die Renovierung der Wohnung. Im Oktober 2025 kam es zu einer Veränderung der Nutzung des Hauses. Es wurde entschieden, dass ein anderes Familienmitglied, B (Bruder), das gesamte Obergeschoss des Gebäudes nutzen sollte, einschließlich der bisher bewohnten Wohnung. Dem S wurde keine alternative Wohnung innerhalb des Hauses angeboten; stattdessen wurde er aufgefordert, die Wohnung zu räumen. Vorschläge, innerhalb des Hauses eine andere Lösung zu finden, führten zu keiner Einigung.

Nach einer Eskalation im Dezember 2024 kam es kurz vor Weihnachten zu einem Gespräch zwischen S und V. In diesem Gespräch wurde mündlich vereinbart, dass die Wohnung im Obergeschoss freigegeben werden solle. Im Gegenzug wurde in Aussicht gestellt, dass S zu einem späteren Zeitpunkt eine andere Wohnung im Haus als Zweitwohnsitz zur Verfügung gestellt werden solle, sobald diese frei werde. B stimmte dieser Verständigung zu. In der Folgezeit trat zunächst eine Beruhigung der Situation ein.

Im Januar 2025 kam es erneut zu Spannungen, da der vorgesehene Auszugstermin zeitlich vor der tatsächlichen Verfügbarkeit der in Aussicht gestellten Ersatzwohnung lag. Die ausziehende Person bot an, übergangsweise ihre Möbel einzulagern und bis zur Verfügbarkeit der Ersatzwohnung eine Zwischenlösung zu akzeptieren. Gleichzeitig bat sie um eine schriftliche Fixierung der vereinbarten Wohnperspektive. Diese Bitte wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass auf die mündliche Absprache vertraut werden solle. In der Folge eskalierte der Konflikt erneut.

Besonderheit

Zum Üben können zwei Prozessstadien angenommen werden:

Anbahnung
Die Situation, die mit der Anbahnung beschrieben wird und das Zustandekommen der Mediation betrifft. Hier war die Besonderheit, dass V und B den Vorschlag von S zur Durchführung einer Mediation abgelehnt haben. S will die Mediation dennoch ermöglichen, indem er sich an den ihm bekannten Mediator M wendet und ihn bittet, das folgende Schreiben an V und B zu schreiben und um die Durchführung einer Mediation nahezulegen. Hier der Briefentwurf

Briefentwurf für Mediator

Das ist der wörtlich ausformulierte Brief, den der Mediator dem V und B schicken soll:


Sehr geehrter Herr V, sehr geehrter Herr B
Ich wende mich mit dieser Nachricht gleichberechtigt an Sie beide. Mein Anliegen ist es, einen transparenten und vermittelnden Impuls zu setzen. Es geht nicht darum, Partei zu ergreifen, sondern einen möglichen Weg aus einer für alle belastenden Situation aufzuzeigen.

Ich bin als Mediator tätig und wurde von Ihrem Sohn bzw. Bruder gebeten, diese Einladung zu formulieren. Den Text verantworte ich selbst. Meine Einschätzung beruht ausschließlich auf seiner Darstellung und auf klärenden Rückfragen. Ihre Perspektiven kenne ich bislang nicht; sie sind für jede Klärung unverzichtbar.

Nach der mir geschilderten Situation geht es nicht allein um eine organisatorische Frage, sondern auch um unterschiedliche Verständnisse von Absprachen und Vertrauen innerhalb der Familie. Solche Unterschiede bleiben oft lange unbemerkt und führen erst bei Veränderungen zu erheblichen Spannungen.

Mein Eindruck ist, dass hier weniger „richtig“ und „falsch“ gegenüberstehen als zwei unterschiedliche Arten, mit Unsicherheit umzugehen. Wenn diese Ebenen nicht voneinander getrennt werden, werden Sachfragen schnell zu Beziehungsfragen.

Ich schreibe Ihnen, weil ich den Eindruck habe, dass eine Klärung noch möglich ist, bevor sich Positionen weiter verfestigen. Sollte grundsätzlich Bereitschaft bestehen, einen neuen Anlauf zu nehmen, bin ich gern bereit, einen neutralen Rahmen für ein klärendes Gespräch zu schaffen.

Bitte verstehen Sie diese Nachricht als Einladung und nicht als Bewertung, Druckmittel oder Parteinahme. Eine Mediation kommt selbstverständlich nur zustande, wenn alle Beteiligten dem freiwillig zustimmen.

Gezeichnet M (Mediator)

Durchführung
Hier wird davon ausgegangen, dass die Mediation zustande gekommen war. Auf diese Situation bezieht sich das Briefing.

Briefing

Das Briefing ist verdeckt, weil es Informationen an die Parteien enthält, die der Mediator in der Regel nicht kennt. In einem Rollenspiel kann sich jede Partei das für sie einschlägige Briefing anschauen.

Rolle des S

Rollenverhalten des S:

S ist ein sehr gebildeter Mann im mittleren Alter. Die Wohnung liegt ihm am Herzen. Weil er woanders arbeitet, kann es sie aber nur als Zweitwohung nutzen. Das ist ihm aber wichtig. Es geht auch um die Gleichbehandlung mit den Bruder. S stäört sich auch daran, dass er einfach übergangen wird. So fühlt er sich jedenfalls. Er will auch keinen Stress mit Gericht und so. Immerhin geht es um die enge Familie. Den Vorschlag zur Mediation haben sowohl der V als der B abgelehnt. S versucht es jetzt mit allen Mitteln.

Falls die Mediation zustande kommt:
S fühlt sich zurückgesetzt. Er möchte erbrechtliche Themen nicht ansprechen, sie liegen ihm aber auf der Zunge. Ich muss den ball flach halten sagt er sich die ganze Zeit und versucht, seine Wut zu unterdrücken. S hat nicht das Vertrauen, dass sich V und B an ihr Wort halten. S meint, wer werde ausgespielt.

Rolle des V

Rollenverhalten des V:

V meint, S halte sich für etwas besseres. Er hat S eine Ausbildung ermöglicht. Das ging reibungslos. B hatte immer Schwierigkeiten. V meint, er sei benachteiligt und braiche mehr Unterstützung. Er sieht ein, dass die Kinder gleich zu behandeln sind. Deshalb hat er grundsätzlich zugestimmt, dass S auch eine Wohnung bekommen soll, wenn sie denn jemals frei wird. Wo also ist das Problem?

Rolle des B

Rollenverhalten des B:

B meint, S sei schon immer bevorzugt worden. Jetzt sei er einmal dran. S brauche die Wohung gar nicht. Er wohnt jetzt in Trier mit 1. Wohnsitz. B hat jetzt Familie. Er arbeitet am Wohnort und braucht den Platz. Es gibt doch keinen Grund, woanders eine Wohung zu mieten,. wenn die Familie eine Wohnung vorhalten kann. S soll sich nicht so anstellen.

Lösungshinweise

Die Lösungshinweise beziehen sich auf den konkreten Fall. Sie können sich in einem Rollenspiel druchaus anders darstellen. Das Problem, um das es geht, dürfte aber auch dort zum Vorschein kommen. Wie geht ein Mediator mit dem Fall um und was ist die Besonderheit des Falles?

Lösungsansatz
Die erste Hürde ist die Frage, ob der Mediator den Kontakt wie gewünscht herstellt. Das Thema ist Vertrauen. Das Ansinnen des S könnte genau das verhindern.

Falldiskussion

Sie können im Kommentarbereich (siehe den Button unterhalb der Seite) Fragen stellen oder andere Lösnungsvorschläge zur Diskussion stellen.

Prüfungsfragen

Warum ist der Fall für ein Training geeignet?
Spannend ist eigentlich nur die Frage, ob sich der Mediator auf die Bitte einlässt, zu intervenieren, damit eine Mediastion zustande kommt. Jetzt begegnen wir Phänomenen wie der transaktionalen Verschiebung, der Triangulierung und der Problematik der Kontaktintervention. Der Mediator kann mehr kaputt machen, als retten.
Was sdagen Sie dem Sohn wegen der Kontaktintervention?
Die Rolle des Mediators steht auf dem Spiel. In keinem Fall kann er das entworfene Schreiben benutzen. Wenn er Kontakt aufnimmt, dann ohne Sachverhalt und ohne die Situation des Sohnes anzusprechen. Am besten, er hilft dem Sohn das Problem selbst zu lösen. Damit kommen Abgrenzungsprobleme zur Beratung und zum Coaching auf und evtl. Vorbefassung.
Ist dieser Fall für eine Mediation geeignet?
Bitte prüfen Sie Geeignetheit. Wichtig ist gegebenenfalls die Unterscheidung zur der Mediationsbereitschaft!!! Dass die Parteien gegebenenfalls (noch) nicht bereit sind, die Mediation durchzuführen und Bedingungen stellen, hat nichts mit der Geeignetheit zu tun.
Was ist das Ziel der Mediation
Immer Finden einer Lösung mit der alle zufrieden sind. Siehe Zielvereinbarung und 1.Phase
Was ist der Konflikt (sind die Konflikte) dahinter?

Wie sieht eine Konfliktlandkarte aus und wie sieht die Konfliktanalyse aus? Wofür brauchen wir das genau?
Siehe Konfliktdimensionen, Konfliktanalyse und Konfliktlandkarte. Themen die aus den Konflikten gebildet werden sind:
1. Problem Verbindlichkeit der Wohnungsüberlassung an S
2. Erbrechtl, Fragen???
3. Beziehung innerhalb der Familie (Vertrauen)

Was ist der Hauptkonflikt?
Beziehung (Vertrauen) Es liegt ja eine Zusage vor, dass S eine andere Wohnung bekommen soll. Verweigert wird die Verschriftlichung. Das schafft Misstrauen.
Wer sind die Streitparteien?
Eigentlich nur der Eigentümer der Wohnung, also V und S. B ist Konfliktpartei bei Erbfragen auch Streitpartei.
Wie ist mit der Vertrauensfrage umzugehen?
Vertrauen kann nicht verpflichtet werden. Der Mediator sollte den S aus der Rolle des Provokateurs nehmen und selbst fragen: Wiue kann ich mich darauf verlassen? Was würden Sie tun wenn mir die Wohnung zugesagt wird usw.

Hinweise und Fußnoten
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2026-02-04 08:39 / Version .

Siehe auch: OMA
Diskussion (Foren): Erfahrungen mit Fällen und der Fallarbeit, OMA Mediatorenausbildung. Vorschläge, Kritik, Kommentare
Geprüft:

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