Konfliktvermeidung
Wissensmanagement » Abteilung Praxis → Rubrik Nachfrage
Konfliktvermeidung kann auch ein nützliches Produkt sein
Diese Seite gehört zur Nachfrage
Pfad: (Abteilung) Praxis → (Rubrik) Nachfrage → (Abschnitt) Produkt
Beitrag: Konfliktvermeidung
Inhalt (Praxis) → Weiter: Konfliktberatung
Zum Thema » Konfliktvermeidung bewegt sich sprachlich und konzeptionell in einem Spannungsfeld. Einerseits gilt sie als Ausdruck von Schwäche oder Feigheit und wird häufig mit konfliktscheuem Verhalten gleichgesetzt. Andererseits kann sie Ausdruck hoher sozialer Kompetenz sein. Diese Ambivalenz prägt den Umgang mit dem Begriff und erschwert eine sachliche Einordnung.
In jedem Fall greift die pauschale Abwertung konfliktvermeidenden Handelns zu kurz. Sie verkennt, dass nicht jeder vermiedene Konflikt ein unterdrückter Konflikt ist – und dass es Formen der sozialen Interaktion gibt, in denen Konflikte gar nicht erst entstehen.
Begriffliche Grenzen
Wie bezeichnet man Menschen, die Beziehungen, Interessen und Situationen so ausbalancieren, dass Konflikte gar nicht aufkommen? Sie sind keine Konfliktvermeider, denn es gibt keinen Konflikt, dem sie ausweichen müssten. Eher verhindern sie Konflikte, noch bevor sie entstehen und ohne sie zu unterdrücken. Konfliktverhinderer wäre aber auch das falsche Wort.
So wie es aussieht. existiert eine etablierte Bezeichnung für diese Kompetenz gar nicht und erst recht gibt es keine passende keine Attribution. Auch unter den Konflikttypen findet sich kein entsprechendes Rollenmodell. Alles was in die Richtung geht, wie etwa "Du Konfliktverhinderer" oder "Du Konfliktvermeider" hat den Geschmack eines Vorwurfs.
Diese Ausgangslage ist mehr als nur ein sprachliches Defizit. Denn was keinen Begriff hat, lässt sich schwer beschreiben, lehren oder gezielt entwickeln. Möglicherweise erklärt dieser Mangel auch, warum Konfliktvermeidung selten als professionelle Kompetenz wahrgenommen wird – und warum der Mediation diese Fähigkeit oft nicht zugeschrieben wird. Könnte es sein, dass sich das Mediationsparadoxon auf so einfache Weise erklären lässt?
Was meint Konfliktvermeidung
Zweifellos ist die Konfliktvermeidung ein Markt. Jeder Mediator weiß, dass der Hauptgrund für die Nachfrage die Eskalationsvermeidung ist. Aus Nachfragesicht wird mit Konfliktvermeidung häufig nicht das bloße Ausweichen vor Auseinandersetzungen gemeint. Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, Situationen, Beziehungen und Interessen so zu gestalten, dass Konflikte keine tragfähige Grundlage finden.
In diesem Sinne geht es weniger um Vermeidung von Konflikten als um die Vermeidung der Eskalation. Es geht um einen sachkundigen Umgang mit Konflikten und eine frühzeitige Regulation von Spannungen. Der Konflikt entsteht nicht, weil das Gleichgewicht rechtzeitig stabilisiert wird.
Für diese Kompetenz existiert jedoch keine etablierte Bezeichnung. Die eingeschränkte Begrifflichkeit erschwert es, diese Fähigkeit in ein Produkt zu kleinen und als professionelle Leistung sichtbar zu machen . Sie erklärt möglicherweise auch, warum Mediation häufig erst dann nachgefragt wird, wenn Konflikte bereits eskaliert sind.
Vermeidung, Vorbeugung, Prävention
Um den Kern der nachgefragten Dienstleistung oder der erforderlichen Kompetenz besser zu begreifen, soll die Abgrenzung der Begriffe Vermeidung, Vorbeugung, Prävention beitragen. Auch wenn die Begriffe in der Nachfrage häufig synonym verwendet werden, sind sie in fachlicher Hinsicht wie folgt zu unterscheiden:
- Konfliktvermeidung: Konfliktvermeidung bezeichnet ein Verhalten, bei dem Auseinandersetzungen nicht geführt werden.
- Konfliktvorbeugung: Konfliktvorbeugung meint die bewusste Gestaltung von Rahmenbedingungen, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.
- Konfliktprävention: Konfliktprävention fasst beide Perspektiven zusammen und richtet den Blick auf die frühzeitige Wahrnehmung und Regulierung von Spannungen.
| Aspekt | Konfliktvermeidung | Konfliktvorbeugung | Konfliktprävention |
|---|---|---|---|
| Zeitpunkt | Nach Auftreten oder Wahrnehmung eines (latenten) Konflikts | Vor Entstehung eines Konflikts | Vor und an der Schwelle zum Konflikt |
| Ebene | Verhalten einzelner Personen | Strukturen, Prozesse, Beziehungen | Verfahren, Methoden und Rahmenbedingungen |
| Ziel | Konflikt nicht austragen | Konflikt nicht entstehen lassen | Gleichgewicht erhalten, Eskalation verhindern |
| Bewertung | häufig negativ konnotiert | überwiegend positiv | fachlich neutral, professionell |
| Risiko | Verdrängung, spätere Eskalation | gering, aber nicht ausgeschlossen | gering, da Spannungen bearbeitet werden |
| Charakteristisch | Ausweichen, Schweigen, Aufschieben | klare Regeln, Transparenz, Prävention | frühe Interessenklärung, Balancearbeit, strukturierte Kommunikation |
Für die Nachfrage ist vor allem entscheidend:
Es geht nicht darum, Konflikte zu verdrängen, sondern darum, Konfliktrisiken zu erkennen und rechtzeitig zu bearbeiten.
Konfliktvermeidung als Produkt
Die Mediation ist durchaus auch in diesem Marktsegment ein nachzufragendes Produkt. Sie kann sowohl für die Konfliktvermeidung, die Konfliktvorbeugung und die Konfliktprävention genutzt werden. Konfliktvermeidung, Konfliktvorbeugung und Konfliktprävention ergeben die Zweckrichtung, also wenn man so will das Nachfragemotiv. Ob und wie die Mediation dabei als ein Produkt in Erscheinung tritt, hängt davon ab, ob sie als Methode oder als eigenständiges Verfahren zum Einsatz kommt.
Gegen die Verwendung als Verfahren spricht der Wortlaut des Gesetzes. Danach ist Mediation rechtlich und sprachlich überwiegend als Reaktion auf bestehende Konflikte definiert. Auch §1 Mediationsgesetz setzt einen Konflikt voraus. Ein eigenständiges, normiertes Verfahren der Konfliktvermeidung existiert daher nicht.
Gleichwohl zeigen praktische Anwendungen, dass Mediation – etwa als Pre-Mediation oder im Format der integrierten Mediation – auch dann wirksam eingesetzt werden kann, wenn ein Konflikt noch nicht offen ausgebrochen ist. In diesen Fällen dient sie der Strukturierung potenzieller Spannungen, der Klärung von Erwartungen und der Stabilisierung von Beziehungen. Für solche Anwendungen besteht ein nachweisbarer Bedarf.
Pre-Mediation integrierte Mediation
Vorgehen aus Nachfragesicht
Bei präventiven Anwendungen steht nicht der Konflikt im Mittelpunkt, sondern das Risiko seines Entstehens. Wird zu intensiv über einen noch nicht bestehenden Konflikt gesprochen, kann diesem eine Bedeutung verliehen werden, die ihm nicht zusteht. Gleichzeitig bleibt der mediationstypische Denkansatz erhalten.
Die integrierte Mediation untersucht, ob und wo Spannungen ihr Gleichgewicht verlieren könnten. Ziel ist es, rechtzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, die Stabilität fördern und Eskalationen vermeiden.
Anwendungen
Konfliktvermeidung – im Sinne von Konfliktprävention – betrifft sowohl zwischenmenschliche Beziehungen als auch organisationale und institutionelle Kontexte. Sie richtet sich an Personen und Organisationen, die nicht warten möchten, bis Konflikte eskalieren, sondern frühzeitig handeln wollen.
-
Legitimation
Folgt man der kognitiven Mediationstheorie, legt Mediation das Wissen und die Kompetenzen offen, die auch für Konfliktvermeidung erforderlich sind. Der Konflikt ist dabei ebenso ein Thema wie der ihm zugrunde liegende Widerspruch. Dass dieser noch nicht manifest geworden ist, ändert nichts an seiner Relevanz.
Mediation kann Konfliktrisiken sichtbar machen, Beziehungen stabilisieren und Wege aufzeigen, wie potenzielle Spannungen konstruktiv kanalisiert werden können. Um dieser Praxis auch eine normative Grundlage zu geben, wurde in der Watchlist eine Anregung zur Erweiterung der gesetzlichen Definition im Mediationsgesetz aufgenommen.
Bedeutung für die Nachfrage
Mediation ist nicht nur ein Instrument zur Beilegung von Konflikten. Sie verfügt auch über das methodische Potenzial, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen – auch wenn die Sprache des Rechts dies bislang nicht ausdrücklich abbildet.
Die fachliche Grundlage für diese erweiterte Leistung bildet der Mediationsradius, der Mediation auch außerhalb des formalen Konfliktverfahrens verortet.
Anleitungen
Praktische Hinweise finden Sie in der Abteilung Formulare:
Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen.Aliase: Konfliktdämpfung
Siehe auch: Dienstleistung
Geprüft: -